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Verhandlungen ueber die Entwuerfe eines allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches und eines Einfuehrungs-Gesetzes zu demselben in beiden Haeusern des Landtages im Jahre 1861 : vollst. Abdr. d. stenograph. Berichte nebst Entwuerfen, Motive u. Komm.-Berichten zu denselben
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aufgenommen hat, hat, wie ich versichern kann, sich bei derFreiheit immer am besten befunden. Von etwa 2000 Buch-händlern und Antiquaren gehören nur 800 dem Börscnvcreinean, aber wenn wir uns die Listen der Mitglieder des Börsen-vereins ansehen, so giebt es kaum eine geachtete und bedeutendeFirma, die nicht der Korporation beigetreten ist. Der morali-sche Einfluß, den derselbe ausübt, die Nothwendigkeit, ihr bcizu-trcten, welche durch die Einrichtung der Korporation herbeige-führt wird, ist so stark, daß es eines Zwanges nicht be-darf.

Meine Herren! Das sind die materiellen Gründe, aus denenich der Kommission beitretc. Nun scheint es mir aber auch,daß hier gar keine brennende Frage vorliegt. Ich glaube, wirsollten die Einführung des Handelsgesetzbuches nicht mit Fragenbelasten, die auf eine andere Weise, und zwar, wenn es nöthigist, im nächsten Fahre, durch ein Spczialgesetz gelöst werdenkönnen. Das Handelsgesetzbuch wird am t. März 1862 Ge-setzeskraft erhalten/ bis dahin also wird die Korporation derKaufmannschaft keinerlei Schaden erleiden/ ich halte es daherfür eben so unrathsam, als unnütz, eine so wichtige Prinzipien-srage bei Einführung des Handelsgesetzbuches zu entscheiden.Die Kommission hat Ihnen ja nicht angcsonnen, das Gegentheilvon dem zu beschließen, was die Mitglieder der kaufmännischenKorporationen wünschen, sondern sie hat Ihnen gerathen, dieSache in SUSANS« zu lallen, obgleich sie materiell jenen Wün-schen entgegen ist. Uebcrlassen wir es denn der Spezialgcsetz-gebnng, die Frage im nächsten Jahre zur Entscheidung zu brin-gen, die das Haus dann gründlich und gewissenhaft nach allenSeiten hin berathen wird.

Präsident:

Wort.

Der Abgeordnete Müller (Demmin ) hat das

Abgcordn. ZNüller (Demmin ): Ich glaube, mich mitwenigen Worte» für den Kommissivns - Vorschlag erklären zumüssen. Auch ich befand mich in dem Korporations-Vorstande,dem ich die Ehre habe anzugehören, mit den Ansichten derKommission in der Minorität, ich will aber bestätigen, daß eingroßer Theil der Korpvrations - Mitglieder die Ansichten theilt,die in dem Kommissions -Berichte vertreten sind. Es ist hier schon er-wähnt worden, daß es nicht der Gerechtigkeit und den Prinzipien derGewerbesreiheit entspricht, einen direkten oder Indirekten Zwangs-beitritt zu den Korporationen einzuführen/ es ist die Furchtausgesprochen worden, daß die Korporationen ohne diesen direktenoder indirekten Zwang zerfallen würden. Ich bin entschiedender Meinung, daß dies nicht zu befürchten Ist. Der genossen-schaftliche Sinn unter den Kaufleuten, und das Bedürfniß derVereinigung zu gemeinsamen Zwecken sind viel zu groß, als daßdieser Fall eintreten wird/ es werden sich allerdings hier und