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Berufen entstehen, weil immer wieder neue Aufgaben zu er-füllen sind. Erst von der Mitte des neunzehnten Jahrhundertsab wird die Behaglichkeit des Biedermeier- zur Betriebsamkeitdes Maschinenzeitalters. Eisenbahnen und Dampfschiffe be-schleunigen das Tempo der Entwicklung.
Auf allen Gebieten wächst die Erzeugungskraft. Immer neueWaren werden hergestellt. Die Produktion an Eisen steigt. Diewirtschaftlichen Entscheidungsschlachten der modernen Völkerwerden, wie Friedrich Naumann erklärt, nicht in Porzellan undHolz, nicht in Getreide, auch nicht in Wolle und Baumwolle,sondern in Eisen geschlagen. Die Maschinen erfordern stetsneue Maschinen. Die Arbeitsteilung im Volke führt im Zeit-alter des Liberalismus auch zur Arbeitsteilung unter den Völkern.Es fallen die Schranken, die in Deutschland die Länder von-einander trennen. Der Kaufmann ist nicht mehr an den Absatzseiner Waren in der Stadt gebunden. Der Markt weitet sich:von Berlin bis Leipzig, von Königsberg bis München. Aber erdehnt sich auch immer mehr über die Ländergrenzen hinaus.Neue Rohstoffe werden eingeführt und mit heimischen Erzeug-nissen, mit Getreide und Fabrikaten bezahlt. So wächst derReichtum. Vor dem Weltkrieg wird das Volkseinkommen, dasim Jahre 1850 noch nicht 10 Milliarden betrug, auf jährlich40 Milliarden geschätzt. Aber es verändert sich auch die Lebens-haltung. Was unsern Großeltern noch als größter Luxus er-schien, ist uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Kapi-talien konzentrieren sich. Suchen Anlage und schaffen neuesKapital. Das Prinzip der Konkurrenz triumphiert in der Welt.Deutschland versucht seinen Lehrmeister England nachzuahmenund zu übertreffen. Der Kapitalismus hat gesiegt. Er hatdem Wirtschaftsleben des letzten Jahrhunderts eine Größe ver-liehen, wie es „ohne jeden Vergleich in der Weltgeschichtedasteht“ (Sombart).
Die neue Zeit formt neue Menschen. Wenn auch die altenTypen bleiben. Der Bankier steigt auf zum Großbankleiter,der Manufakturist zum Industriellen, der Kaufmann zum Groß-händler. Neben ihnen stehen auch in der Zeit hochkapitalisti-scher Wirtschaft der Bauer, der Handwerker, der Einzelhändler.