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Juden zu Deutschen, und er erzwingt von den Deutschen Ver-ständnis und Achtung für die Juden. „Schickt Euch in dieSitten und in die Verfassung des Landes“, so schreibt er inseinem „Jerusalem“, „in welches Ihr versetzt seid; aber haltetauch standhaft bei der Religion Eurer Väter. Tragt beiderLasten, so gut Ihr könnt!“ Mendelssohn verdanken es die deut-schen Juden, daß sie deutsche Bürger geworden sind. Er schaffteine Synthese beider Kulturen, deren Bindeglied er zunächstselbst bildet. So ist es Moses Mendelssohn, der auch der Anteil-nahme deutscher Juden an der Gestaltung der deutschen Wirt-schaft die Wege geebnet hat.
Wie Mendelssohn es versteht, seine kaufmännische Tätigkeitmit dem Studium der Geisteswissenschaften zu verbinden, wiesein Heim in der Spandauer Straße zu einem GeisteszentrumBerlins wird, so bleibt das Haus und die Familie, die er be-gründet, durch das Jahrhundert nach ihm ein Mittelpunkt desBerliner Geisteslebens. Hier verbindet sich Geld mit Geist,echtestes Kaufmannstum mit höchster Künstlerschaft bis in dieheutige Zeit.
Wenn das Einkommen Mendelssohns auch sehr klein ist — vieleseiner Schriften läßt er umsonst erscheinen —, so sorgt er dochfür eine besonders gute Erziehung seiner Kinder, die seiner 1764mit Fromet Guggenheim aus Hamburg geschlossenen Eheentstammen. Für seinen ältesten Sohn Joseph, geboren am11. August 1770, übersetzt er die Bibel, die erste deutsche Bibel-übersetzung für die deutschen Juden, für ihn verfaßt er auchseine „Morgenstunden“. Die besten Erzieher Berlins sind ihmals Lehrer seiner Söhne gerade gut genug. Der Erzieher derHumboldts, Engel, gibt Joseph Sprach- und Musikunterricht,Rektor Fischer unterrichtet ihn im Lateinischen. Später besuchtJoseph die Vorlesungen des Hofrats Herz über Physik und desProfessors Klapproth über Chemie. Mendelssohn will, daß seineKinder selbst über ihren Lebensweg entscheiden sollen. Er selbsthatte so sehr alle Bande der Tradition durchbrochen, daß erseine Kinder zwar anleiten, aber sie in der Freiheit über ihrSchicksal nicht beeinflussen wollte. So schreibt er an HerzHomberg, einen ehemaligen Hauslehrer seiner Söhne, über Joseph,