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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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rung der ungeheuren Werte, die Strousberg besitzt.Man ver-gegenwärtige sich, so schreibt er selbst,nur meine Tätigkeitim Augenblick der Katastrophe, um zu ermessen, wie schreck-lich ich davon berührt gewesen sein muß. Die im Bau be-griffenen Bahnen hatten eine Länge von ungefähr 340 Meilen.Es handelte sich hier also um die Vollendung und Abwicklungvon Baugeschäften und der damit verbundenen Finanzope-rationen nach zwei Richtungen, mit den Gesellschaften undmit meinen Unternehmern und Lieferanten im Betrage vonungefähr 140 Millionen Talern. Die Erbitterung Strausbergsist verständlich. Denn die Krise wäre abzuwenden gewesen,wenn sich nicht alle Angriffe der Abgeordneten, der Presseund des Publikums ausschließlich gegen ihn gerichtet hätten;es hätte ähnlich wie bei dem rumänischen Geschäft Möglich-keiten gegeben, ihn zu sanieren.

Von allen Freunden verlassen, von denen am meisten ge-schmäht, die ihn einst angebetet hatten, begibt er sich 1873zunächst nach London, dann zur Durchführung von russischenBahnbauprojekten nach Rußland. Ein Geschäft mit der russi-schen Commerz- und Leihbank führt in Moskau zu seiner wider-rechtlichen Verhaftung, die schließlich 1876 mit seiner Aus-weisung endet. Inzwischen ist in Deutschland und in Österreichder Konkurs über sein Vermögen eröffnet worden. Die großenPläne, die er für den weiteren Ausbau des deutschen Bahn-netzes entworfen hat, kann er nicht mehr vollenden. Aberimmer neue Projekte beschäftigen ihn. In einer SchriftBerlin,ein Stapelplatz des Welthandels durch den Nord-Ostsee-Kanal,die 1878 erscheint, wirbt er für diesen Kanal, und schlägt denBau zweier von Berlin ausgehender Ergänzungskanäle, einesNordsee- und eines Ostseekanals vor. Mühselig verdient er sichwieder sein Brot als Journalist. Im Jahre 1879 gründet er dasKleine Journal. Zwei Jahre später verläßt er Berlin und glaubtin England noch einmal ein neues Feld für seine ungebrocheneSchaffenskraft zu finden. Aber auch hier hat er ausgespielt.Abermals kehrt er nach Berlin zurück. Als er hier am 31. Mai1884 stirbt, ist er ein Bonmot von gestern geworden.