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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
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Im Fall aber welches Gott verhüthen wolle unter den Neuverlobtenetwa noch vor der Hochzeit eine Uneinigkeit entstehen sollte, sodaß ein Theilderselben obgedachte Puncte weder halten noch die förmiche Ehelichungeingehen wollte, so soll der dieselben übertretende Theil die Hälfte der Aus-steuersumme, mithin 1250 Rs., sage eintausendzweihundert Reichsthalerin Louisdor a 5 Reichsthaler der andern, den Contract haltenden Parthey alsStrafe für den Abtritt zu geben gehalten sein.

Übrigens haben nachstehende Herren für die richtige Erfüllung der ob-gedachten Puncte gegenwärtigen Ehevertrag, und zwar für den Bräutigam,Herrn SalomonHerz, der Doctor medicinae et chirurgiae Herr Ludwig Meyerund für die Braut, Jungfer Louise Wolffs, Herr Levin Benjamin Stern, beidevon hier die Bürgschaft übernommen.

Zu näherer Sicherheit der resp. Interessenten dieses erstem Ehecontractshaben sich allerseitige darin gedachte Comparenten verbindlich gemacht, daßsie es alles halten und befolgen wollen, unter einem schweren Bann und Eid desGesetzes, mittels eigener Unterschrift und Bestätigung durch den Mantelgeist.

So geschehen Halle den 28. des Monats Aw 5581 nach Erschaffung der Weltoder am 26. August 1821 nach christlicher Zeitrechnung.

Ein Verlobungsvertrag aus der Biedermeierzeit. Vor hundert-zehn Jahren unterzeichnet, erscheint er uns wie ein Dokumentaus einer andern Welt! Zeigt es uns nicht deutlich die Strengeder Tradition des jüdischen Hauses, aber gleichzeitig die nüch-terne Überlegtheit, die auch das Herzensbündnis in Paragraphenzu fesseln versucht? Wie dieser Kontrakt, sprechen auch andereFamilienpapiere, die sich heute wohlbehütet in dem Archiv desUrenkels der beiden Kontrahenten befinden, stärker als vieleHistorien von der Lage der Juden in Deutschland kurz nachder Zeit der Befreiungskriege. Denn jenem israelitischen Kauf-mann Salomon Herz, der am 18. Mai 1794 in Bernburg geborenwurde, war durch ein Edikt vom 10. Oktober 1820die Fort-setzung seiner bisherigen in keine Innung einschlagenden Han-delsgeschäfte, der Ankauf eines Hauses in Bernburg und dieVerheiratung gegen Erlegung des üblichen Schutzgeldes inGnaden bewilligt worden. Bis zum 20. Oktober, also innerhalbvon zehn Tagen, hatte er nachzuweisen,daß er einEinjähriges-Schutzgeld vorausbezahlt habe. Preußen hatte die Juden alsBürger aufgenommen, Anhalt noch nicht! Wenige Stunden vorden Toren Berlins sind sie noch Schutzjuden, wie seit Jahr-hunderten, bedürfen zur Ausübung ihrer kaufmännischen Be-schäftigung, ja zur Verheiratung der ausdrücklichen fürstlichenErlaubnis, die sie natürlich nur gegen Hinterlegung einer hohenGebühr erhalten. Wenn man jetzt noch im Zeitalter des Libera-