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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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Aber an allen Ecken und Enden der Stadt regt sich dieEnergie und der Fleiß der Bewohner, voran die der jüdischenBürger. Bewußt geht man auf das Ziel zu, Berlin auch zurwirtschaftlichen Hauptstadt Deutschlands auszugestalten. Stadt-verwaltung und Staatsregierung unterstützen den Willen derEinwohnerschaft. Zunächst gilt es, die Schäden des Kriegesauszugleichen. Die Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre1810, der kühne Schritt zum Freihandel durch Aufhebung derinnerpreußischen Zollgrenzen und der Außenzölle geben derWirtschaft neuen Spielraum. Maschinenfabriken, Spinnereienwerden gegründet, das Bankgewerbe und der Produktenhandelentfalten sich. Der Grundstein für die Hauptzweige der BerlinerWirtschaft wird in jener Zeit gelegt. Im Jahre 1820 entstehtaus den alten Gilden und dem Komitee der jüdischen Kauf-leute, unter Mitwirkung Joseph Mendelssohns, die Korporationder Kaufmannschaft. 1821 ruft Beuth den Verein zur Förde-rung des Gewerbefleißes ins Leben. Im nächsten Jahre zeigt dieerste Berliner Gewerbeausstellung die ersten Erfolge der jungenBerliner Industrie.

So sieht Berlin aus, als am 22. März 1823 Salomon Herz daspreußische Staatsbürgerrecht erhält. Es ist das gleiche Jahr, indem der Zimmergeselle August Borsig aus Breslau nach derpreußischen Hauptstadt wandert. Noch bevor sich das jungeEhepaar endgültig in Berlin niederläßt, wird ihm in Bernburgam 26. April 1823 das erste Kind geboren, das den NamenWilhelm erhält. Wilhelm Herz erlebt den Aufstieg Berlins vonder angehenden Großstadt zur Weltstadt, die Entwicklung vomZollverein bis zum Weltkrieg. Mehr als zwei Menschenalter hin-durch ist er aktiv an diesem Emporblühen Berlins beteiligt.Weniger Unternehmer großen Stils, auch kein kühner Erneuerer,ist es sein organisatorisches Geschick, sein diplomatisches Talent,vor allem seine ausgesprochene gesellschaftliche Begabung, dieihn befähigen, jahrzehntelang der erste Kaufmann der deut-schen Metropole zu sein. Dieser Grandseigneur ist ein Exponentder kaiserlichen Zeit. Er wird zum Symbol der hohen Bedeutung,die das Berliner Judentum für das Wirtschaftsleben der Reichs-hauptstadt errungen hat.