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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
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Salomon Herz hatte seine Getreidehandlung unter der FirmaS. Herz 1823 in Berlin neu eröffnet. Er sieht deutlich, welcheRolle Berlin für diesen Wirtschaftszweig als Vermittler zwischendem Osten und Westen Deutschlands spielen kann. Das großelandwirtschaftliche Hinterland Berlins bietet einem Getreide-händler große Chancen. Aber ihm genügt das reine Handels-geschäft nicht mehr, wie er es in Bernburg betrieben hatte.Auch er will, nachdem die Schranken für die Juden gefallenwaren, zur Fabrikation übergehen. So gründet er noch imgleichen Jahre, in dem er sich in Berlin niederläßt, in Witten-berge a. d. Elbe eine Ölmühle. Die Nähe der hannoverschen,der sächsischen und der mecklenburgischen Grenze lassen ihmdiesen Platz als besonders geeignet erscheinen. Ein Schreibender Königlichen Regierung zu Magdeburg vom 5. Oktober 1823beweist, wie man auch damals noch die Juden mit kleinlichenMaßnahmen zu schikanieren versucht. Als Fabrikant zu Witten-berge, das erst 1815 preußisch geworden war, hatte Herz umVerleihung des Bürgerrechts dieser Stadt nachgesucht. EineVerfügung des Königlichen Ministeriums des Innern vom 16. Ja-nuar 1818 besage, so heißt es in diesem Schreiben,daß dasEdict vom n.März 1812 die bürgerlichen Verhältnisse derJuden in dem Preuß. Staate betreffend, hinsichts der Judenin den neu acquirierten und wiedereroberten Provinzen nochnicht zur Anwendung gebracht werden soll. . . der pp. Herzmuß deshalb immer noch als Ausländer betrachtet werden.Herz aber beharrt auf seinem Recht. Bereits am 25. Januar 1824wird er Bürger von Wittenberge. Am 2. Juli 1827 wird dannauch vomOber-Bürgermeister, Bürgermeister und Rath dieserKöniglichen Preußischen Haupt- und Residenzstadt Berlin demÖlfabrikanten Herrn Salomon Herz der Bürgerbrief ausgehän-digt. Zehn Jahre später erwirbt er das Haus Bauhofstraße 1in Berlin, das auch dem Sohne bis zum Lebensende zum Wohn-sitz gedient hat. Das Palais Herz gehört zu den gesellschaft-licher Zentren Berlins.

In einem reichen Hause wächst Wilhelm Herz auf. Denn seinVater Salomon ist ein erfolgreicher Kaufmann. Seine Einkünfteerlauben es ihm, dem ältesten Sohn Wilhelm und den nachge-