Druckschrift 
Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

9 6

So gehört er zu den Mitgründern der Schultheiß-Brauerei-Aktien-gesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender er bis zu seinemTode bleibt, und die unter seinem Präsidium die größte Brauereides Kontinents wird. Ebenso leitet er nach Kochs Tode bis zuseinem Ableben den Aufsichtsrat der Deutschen Bank, an derenGründung er lebhaften Anteil nimmt. Viele andere Aufsichtsrats-mandate, besonders von Hypothekenbanken und Versicherungs-anstalten, werden ihm übertragen und beweisen, wie sehr manihn schätzt. In dem Ringen um die Bülowsche Zollpolitik ge-hört Herz zu den eifrigsten Gegnern des Protektionismus. Erzählt zu den Gründern des Handelsvertragsvereins und wirddessen erster Präsident.

Am i. Januar 1866 wird Wilhelm Herz Mitglied des Ältesten-kollegiums der Kaufmannschaft, an dessen Arbeiten er sich schonlange vorher als Mitglied und Leiter der Produktenbörse be-teiligt hatte.Mit der Geschichte dieses Kollegiums, so schreibtsein langjähriger Mitarbeiter Geheimrat Heinrich Dove (Mit-teilungen der Handelskammer zu Berlin, Nr. 10, vom Oktober1914),ist seine Person unlöslich verbunden. War es ihm dochbeschieden, als eins ihrer eifrigsten und hervorragendsten Mit-glieder die Zeiten mitzuerleben, während deren die altehr-würdige kaufmännische Vertretung Berlins den Übergang desGeschäftslebens der Metropole aus den engeren Verhältnissendes alten Preußen in die kraftvoll aufstrebenden Wirtschafts-verhältnisse des neuen Reiches überleitete. 1889 wählt manihn zum Vizepräsidenten, 1895 zum Präsidenten der KorporationIn dieser Eigenschaft wird Herz zum Mittelpunkt der jahre-langen Kämpfe um die Vertretung der Berliner Wirtschaft.

In der Sitzung vom 10. Dezember 1895 teilt Herz mit, derpreußische Handelsminister habe seine frühere, der Korporationfreundliche Haltung geändert, er verlange ihre Umwandlungin eine amtliche Handelsvertretung, die Errichtung einer Han-delskammer. Wie kaum ein anderer Kaufmann erkennt Herz,der in seinem langen Leben so viele Veränderungen der Wirt-schaft Berlins mitgemacht hat, mit scharfem Blick sofort, daßdie Verfassung der Korporation der Kaufmannschaft reform-bedürftig sei, wenn sie als wahres Organ der gesamten Berliner