Druckschrift 
Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

95

saat, im Jahr also ca. 7000 Wispel, aus denen ca. 45000 Zentner reines Ol und70000 Ölkuchen gewonnen werden. Wie die Ölsaaten aus allen Weltteilen (manfindet auf den Speichern ostindische und ägyptische) zusammengekauftwerden, so geht das fabrizierte Öl wiederum auch nach allen Weltgegenden.Eine Raffinerie, mehrere Darren, Schmieden, Schlosser- und Böttcherwerk-stätten, welche mit den eigentlichen Fabrikarbeitern über 200 Menschen be-schäftigen, gehören gleichfalls zur Fabrik.

Bald nach diesem Aufschwung der Fabrik kann sich WilhelmHerz einen eigenen Hausstand gründen. Am 10. Oktober 1853heiratet er Cäcilie Markwald aus einer ihm durch Verwandt-schaft und Freundschaft nah verbundenen Familie.

Durch den Aufbau des Lieferungsgeschäfts für Rüböl wird dieFirma S. Herz das erste Ölhandelshaus Deutschlands. Auch dasEindringen des ersten amerikanischen Petroleums zu Beginn dersechziger Jahre vermag die Bedeutung des Hauses nicht herab-zusetzen. Wenn auch das Petroleum das Rüböl als Beleuchtungs-mittel allmählich verdrängt, so behauptet sich dieses Pflanzenölnoch als Nahrungsmittel vor allem in den Bergwerksbezirken, ineiner Zeit, in der es noch keine Margarine gibt, besonders aberals Hilfsmittel für technische Zwecke. Nachdem Salomon Herzam 16. Juli 1865 gestorben war, erweitert sein Sohn Wilhelmvor allem das Auslandsgeschäft: nach Amerika werden großeMengen Öl geliefert und dort verschnitten. Als Ölsachverstän-digen beruft man Wilhelm Herz häufig nach England. In derganzen Welt ist er alsÖlherz bekannt. Frühzeitig erkennt erdie Bedeutung des Gummis. So entschließt er sich 1869 zurErrichtung einer Gummiwarenfabrik in der KöpenickerStraße in Berlin, die sich noch heute an der gleichen Stelle be-findet, während die Ölmühle, an deren Leitung auch Wilhelmsältester Sohn Paul und sein Neffe Herrmann beteiligt werden,im Jahre 1929 von dem jetzigen Vorstandsmitglied der FirmaS. Herz G. m. b. H., Max Herz, dem zweiten Sohne Wilhelms,verkauft wurde. In der Gummifabrik werden die verschieden-sten technischen Gummiwaren: Schläuche, Packungen, Reifen,heute auch Autoreifen hergestellt.

Als nach der Begründung des Deutschen Reiches ein neuerAufschwung die deutsche Wirtschaft belebt, fördert WilhelmHerz mit Rat und Tat diese Entwicklung. Der Produktenhänd-ler besitzt von jeher die engsten Beziehungen zur Brauindustrie.