Druckschrift 
Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

ii 5

lin vertritt er den ihm befreundeten Syndikus der Disconto-Gesellschaft in einigen juristischen Arbeiten, deren Inhalt undStil David Hansemann so auffallen, daß er den jungen Juristenzum Eintritt in seine Bank auffordert. Salomonsohn lehnt zu-nächst diese Berufung ab, weil ihn die unabhängige Tätigkeiteines freien Juristen mehr reizt, und bewirbt sich um die Stelleeines Notars in Ratibor, die er auch erhält. Die Ordnung wichti-ger Familienangelegenheiten veranlaßt ihn, eine Verschiebungseines Dienstantritts zu erbitten, die aber von dem damaligenpreußischen Justizminister Grafen von der Lippe in einer An-trittsaudienz wahrscheinlich aus antisemitischer Animosität mitwegwerfenden Bemerkungen abgelehnt wird. Salomonsohn fährtinfolgedessen nach Ratibor, tritt sein Amt zum vorgeschriebenenTermin an und reicht noch am gleichen Tage wegen der ihmzuteil gewordenen verletzenden Behandlung sein Gesuch umEntlassung aus dem Justizdienst ein. Sofort nach seiner Geneh-migung meldet er sich bei David Hansemann mit der Frage, obder ihm angeboten gewesene Posten noch frei sei. Hansemannantwortet zustimmend und fügt hinzu:Ich wußte, Sie würdenwiederkommen, denn die staatliche Zwangsjacke ist für Sie zueng. Am i. Juli 1863 tritt er als Syndikus in den Dienst der Dis-conto-Gesellschaft, wie es in der ihm zu seinem fünfundzwanzig-jährigen Jubiläum gewidmeten Adresse heißt,jung, lebendigenSchaffensdranges voll, des Rechtes kundig, aber nach mancherRichtung des neuen Gebietes selbst noch ein Lernender.Schon 1866 ist er Prokurist, nach weiteren drei Jahren bereitsGeschäftsinhaber der Bank. Der Enkel des Pastors und der Enkelder Rabbiner werden damit Sozien.

Durch seine Eltern ist Adolph Salomonsohn der Nachkommealter Rabbinergeschlechter. Als sechstes von den neun Kinderndes Gedalja Salomonsohn (17991837) wird Adolph Salomon-sohn am 19. März 1831 in Inowrazlaw in der Provinz Posengeboren. Seine Mutter Ernestine (18011867) ist die ältesteTochter des Leiser Moses Levy. Dessen Sohn war MichaelLevy, dem die Stadt Inowrazlaw die Erschließung der dor-tigen Steinsalzlager, den Bau der Eisenbahn Thorn-Inowraz-law-Posen und die Schiffbarmachung der Netze verdankt.8 *