- 226 -
Asien jetzt im Bau befindlichen Strecken liegt in den HändenJulius Bergers. Im November 1929 hat der Schah von Persienbereits den von den Deutschen erbauten ersten Bahnabschnittim Norden zwischen Benderschah und Aliabad eingeweiht, dieBahnarbeiten haben aber dann im Sommer 1930 zunächst eineUnterbrechung erfahren. Von der türkischen und der rumäni-schen Regierung erwartet Berger neue Aufträge für weitereEisenbahnlinien, aber er ist nicht nur in Europa und Asien,sondern auch in Südamerika tätig. Für die kolumbische Regie-rung hat er die Regulierung des Magdalenenstroms übernommen.
Vielfache Aufträge sind von Julius Berger in Deutschland inden letzten Jahren ausgeführt worden: der Neubau des Königs-berger Hafens, der Ausbau des Königsberger Seekanals, Ein-deichungsarbeiten in Ostpreußen, die Kanalisierung des Neckars,als Reparationsauftrag der Ausbau des Hafens von Bordeaux.Seit 1914 gehört Julius Berger auch zu den Erbauern derBerliner Untergrundbahn.
Aus dem kleinen Fuhrherrn von Zempelburg ist so ein großerBaumeister geworden. Neben 300 Ingenieuren und Technikernsind es 25—30000 Arbeiter, die in aller Welt seine Projektedurchführen helfen.
Trotz aller Erfolge ist Julius Berger ein schlichter Menschgeblieben. Bei allem Stolz, der ihn erfüllt, bei allem Bewußt-sein über die Leistungen, die er vollbrachte, macht er keinHehl über seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen, wie er auchsein Judentum niemals verleugnet. Allen Anfeindungen, die manihm, als er seinen Weg als Tiefbauunternehmer begann, ent-gegenbrachte, hat er energischen Widerstand geleistet. In derwilhelminischen Zeit war es für den unbekannten jüdischenUnternehmer nicht einfach, mit den königlich preußischen Be-hörden zusammenzuarbeiten. Ganz bewußt hat er ihnen gegen-über sein Judentum betont und so erst recht ihr Vertrauenerworben. Berger legt Wert darauf, in seinem Unternehmenmöglichst viele jüdische Ingenieure und Techniker zu beschäf-tigen. Viele seiner Beamten sind seit Jahrzehnten seine Mit-arbeiter, für deren Lebensabend er durch die Begründung einereigenen Pensionskasse gesorgt hat. Seine Wahl in das Präsidium