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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
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nale Industrie der Herstellung des Kalkstickstoffs. Der Kalk-stickstoff, der aus Luftstickstoff und den billigen in jedemLande vorkommenden Rohmaterialien Kalk und Koks unterrationeller Verwendung von elektrischer Energie erzeugt wird,entsteht durch Überleiten von reinem aus der Luft gewonnenemStickstoff über feingepulvertes Kalziumkarbid bei einer Tempe-ratur von ca. iooo Grad. Für Deutschland bedeutet die Er-findung des Kalkstickstoffs durch Caro und Frank die erstewirtschaftlich durchführbare Lösung des Stickstoffproblems.

Denn Problem heißen Bemühens einer Kette von Chemikernbleibt letzten Endes die verbesserte Beschaffung der mensch-lichen Nahrung. Deshalb die Förderung der Landwirtschaftdurch die richtige Ernährung der Pflanze, für die Liebig zuerstdie Wege gewiesen hatte, indem er auf die Bedeutung der Stick-stoff- neben den Kali- und Phosphorsäureverbindungen alsDüngemittel verwies. So widmet sich Caro gleichzeitig mitdem Experiment im Laboratorium agrikulturchemischen Fragen.Noch 1895 veröffentlicht er gemeinsam mit Pagenstecher dasWerkLandwirtschaftliche Untersuchungen. An dieses Buchschließen sich dann später ähnliche Forschungen an, zum Bei-spiel dieUrbarmachung der Moore.

Bisher hatte Deutschland den zur Pflanzennahrung erforder-lichen Stickstoff jahrzehntelang als Chilesalpeter eingeführt. Sowar die deutsche Landwirtschaft von Chile abhängig geworden,das stets steigende Preise für den Salpeter verlangte. Noch 1913hatte man für 234,5 Millionen Mark von diesem künstlichenDüngemittel importiert. Was sollte werden, wenn Krieg dieZufuhr abschnitt? Wenn der südamerikanische Staat die Aus-fuhr aus irgendwelchen Gründen sperrte? Wenn, was man inabsehbarer Zeit erwartete, die chilenischen Quellen versiegten?Das Verfahren Caros und Franks befreit Deutschland von dieserschweren Sorge, ermöglicht die Herstellung eines Düngemittelsim Lande selbst aus heimischen Rohstoffen. Aber gleichzeitiggeht Caro an die Verwertung seiner Erfindung. Aus dem For-scher wird der Organisator. Der Chemiker der Studierstubesteigt auf zum Großunternehmer. Aber mühselig ist dieser Weg.Was nützt dem Chemiker die genialste Erfindung, wenn es ihm16»