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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
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als Mitglied der Jewish Agency großes Interesse entgegen, wenner sich auch ausdrücklich als Nicht-Zionist bezeichnet. Den Be-griff des jüdischen Volks lehnt er ab, soweit damit irgendwelchenationalen und politischen Vorstellungen verbunden sind, aberer erkennt den ungeheuren Wert des Palästina-Werkes für dieganze Judenheit an. Es handele sich hierbei um eine Frage, dieerst in Generationen gelöst werden kann.

Wassermann ist der Meinung, es sei falsch, von einem spezi-fischen Einfluß der Juden auf die deutsche Volkswirtschaft zusprechen. Die Juden ordnen sich ihr ebenso ein wie alle anderen.Er glaubt auch in starkem Optimismus, es werde den Juden ge-lingen, allmählich in allen Wirtschaftszweigen, vor allem auchin der Industrie, Fuß zu fassen. Man müsse nur das Problem auflange Sicht sehen. So wie es früher keine jüdischen Bankdirektorengegeben habe, und erst recht keine jüdischen Leiter von In-dustrieunternehmungen, so seien die Juden heute auch führendin Bank- und Industriebetrieben tätig, genau so wie es jetzt hohejüdische Beamte gebe. Er sieht deshalb die Frage der sozialenUmschichtung der Juden als nicht tragisch an: was seien600000 Juden unter 65 Millionen Deutschen? Dieses Problembesitze in Polen und Rußland eine ganz andere Bedeutung. Vondort müsse man die Juden deshalb auswandern lassen. Dagegenseien in Deutschland noch genügend Aufstiegsmöglichkeitenauch für die Juden vorhanden, aber auch hier müsse man mitJahren, ja Jahrzehnten rechnen. Deutsche Juden seien auchfrüher, wenn auch nicht in Massen, so doch als Einzelpionierenach Frankreich, England und den Vereinigten Staaten aus-gewandert. Diese Möglichkeiten gebe es auch jetzt noch.

Wassermann glaubt, es sei nicht das Ideal eines Juden, jahreinund jahraus denselben Posten zu bekleiden, um sich dann pen-sionieren zu lassen. Jahrhundertelange Tradition habe denJuden dazu erzogen, in stetem Streben sich immer größerenAufgaben zu widmen.Wir Juden, so betont Oscar Wasser-mann,sind nicht das auserwählte Volk, aber wir haben es ineiserner Disziplin verstanden, uns für die Bewältigung der schwie-rigsten Probleme hochzuzüchten. Wenn es uns gelingt, vieles vondem, was wir als leere Tradition mit uns herumschleppen, abzu-