Boin Versailler Diktat zum Londoner Ultimatum
5
getan hätte, um innerhalb dieser Frist Vorschläge ;u machen Auchnach Ablauf der Frist ist bis zur Konferenz von Spaa (Juli 1920)den Ententeregierungen kein deutscher Vorschlag für die Regelungder Reparationsfrage überreicht worden.
Man erwartete in Deutschland und wohl auch draußen in derWelt, daß die Konferenz von Spaa (Juli 1920) über den Umfangder Deutschland auferlegten Kontribution endlich Klarheit schaffenwerde; denn die „Neparationsfrage" stand ausdrücklich auf der Tages-ordnung. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Auf der Kon-ferenz von Spaa haben sich die Ententeregierungeu damit begnügt,Deutschland in der Entwaffnnngsfrage und in der Frage derKohlenliefernngen ihr hartes Diktat aufzuerlegen. Auf deutscher Seite hielt man es für gute Politik, in diesen Fragen nachzugeben,um für die Regelung der Kontributio.nsfro.ge eine bessere „Atmo-sphäre" zu schaffen. Um der besseren „Atmosphäre" willen bestandman nicht darauf, daß nach der Unterwerfung in der Entwaffnungs-und Kohleufrage auch die Reparationsfrage in Spaa diskutiert wurde;man gab sich vielmehr mit der Zusage zufrieden, daß die Reparations-frage auf eiuer Konferenz von Sachverständigen behandelt werdensollte, deren Zusammentritt in Genf man noch für den Juli 1920in Aussicht stellte.
Mit dieser neuen Zusage haben es die Ententeregierungen ge-halten wie mit zahlreichen anderen Versprechungen: sie wurde nichterfüllt. Der Zusammentritt der Sachverständigen-Konferenz wurdeimmer uud immer wieder hinausgeschoben. Erst Mitte Dezember 1920konnten sich die Konferenz-Delegierten in Brüssel versammeln.
Man begrüßte die Brüsseler Konferenz bei uns mit neuenHoffnungen, deun es hatte den Anschein, als ob in Besprechungen,die zwischen dem deutschen Staatssekretär Bergmann und dem fran-zösischen Unterstaatssekretär Seydoux in Paris geführt wordeuwaren, eine tragfähige Grundlage wirtschaftlicher Natur für dieLvsuug des Reparationsproblems gefunden worden sei. Aber auchdiese Hoffnung wurde enttäuscht. Die Brüsseler Konferenz beschränktesich auf eine mehr akademische Erörterung der allgemeinen finanziellenund währungspolitischeu Probleme; als sie sich am 22. Dezember biszum 10. Januar vertagte, hatte sie noch keine Zeit gefunden, sichden zwischen Bergmann und Seydoux besprochenen Vorschlägen zu-zuwenden. Es wurde die Abrede getroffen, daß während der Ver-tagungsfrist das Seydoux'sche Projekt in unmittelbaren Besprechungenzwischen den deutschen und französischen Sachverständigen weiter ge-fördert werden sollte. Aber diese Besprechungen kamen nicht vomFleck, und die Brüsseler Konferenz selbst wurde schließlich auf unbe-stimmte Zeit vertagt, um niemals wieder zusammenzutreten.
Noch im Dezember 1920 waren von den offiziösen französischen uud englischen Telegraphenagenturen die Besprechungen zwischen denHerren Bergmann und Seydoux als ein „Schritt vorwärts" be-zeichnet worden. Der „Schritt vorwärts" wurde in einer „bemer-