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Der Erfiillungsvcrsuch
für diesen Fehlbetrag kommen soll. „Die Exportabgabe von Eng-land!" wurde mir vorhin zugerufen. Das sind die 25°/», die England von unserer Ausfuhr nach England erhebt. Wir haben nun alle inder Presse gelesen — auch in der englischen Presse steht es — daßseit Einführung dieser Jmportabgabe der Wert der englischen Einfuhraus Deutschland ganz außerordentlich zurückgegangen ist. Wenn nunaber diese Einfuhrabgabe in England nahezu 1 Milliarde Goldmarkergeben sollte, dann würde das ja heißen, daß unser Export alleinnach England dem Betrag von 4 Milliarden Goldmark nahekommenmüßte, und das bei einem Gesamtexport von 5 Milliarden im letztenJahre I Das ist natürlich nicht möglich. Also auch hier kann dieDeckung nicht gefunden werden."
In Wirklichkeit waren im Juni 1921, als von amtlicher Seiledie Summe von 300 Millionen Goldmark für die bis zum 1. Mai 1922noch zu beschaffenden Golddevisen genannt wurde, aus die am31. August 1921 fälligen Wechsel noch 760 Millionen Goldmarkungedeckt, und der Betrag, der auf die weiteren bis zum I.Mai 1922fälligen Raten von insgesamt 1,660 Millionen Goldmark dnrch Sach-leistungen usw. abgedeckt werden konnte, war noch durchaus unsicher.Gewissenhafterweise durfte man diesen Betrag nach den damals vor-liegenden Erfahrungen in Anlehnung an die von nur damals imReichstag gegebenen Ziffern nicht höher als vielleicht MO Milli-onen Goldmark schätzen.*) Es waren also damals, statt dervon der Regierung genannten 300 Millionen, in Wirk-lichkeit noch etwa 1.600 Millionen Goldmark bis zum1. Mai 1922 zu beschaffen!
In der ersten Juliwoche stieg trotz aller Beschwichtigungsversucheder Reichsregierung der Berliner Dollarkurs auf 75—76 Mark.Auch die Neichsregierung konnte sich jetzt nicht mehr der Erkenntnisverschließen, daß die von ihr unterschriebenen und dem Garantie-komitee ausgehändigten Reichsschatzwechsel, deren Einlösung nach derErklärung des Reichskanzlers vom 1. Juni angeblich damals schongesichert war, nur durch Anwendung außerordentlicher Maßnahmenwürden abgedeckt werden können.
Die Reichsregierung sah sich genötigt, zu dem Auskunftsmittelausländischer Anleihen zu greifen. Durch Vermittlung derReichsbank schloß sie Mitte Juli in Amsterdam ein erstes Kredit-geschäft mit ausländischen Geldgebern — Holländern, Engländernund Schweizern — in Höhe von 150 Millionen Goldmark ab. DerKredit war, was damals nicht bekannt gegeben wurde, nur zu außer-ordentlich schweren Bedingungen und uur auf kurze Fristen erhält-lich. Er mußte noch vor Ablauf des Jahres 1921 zurückgezahltwerden. Trotzdem wurde der Abschluß dieses Kredits, zu dem die
") Tatsächlich hat sich die deutsche Regierung genötigt gesehen, späterhin
die Schätzung für den Wert der bis 1. Mai 1922 zu bewirkenden Sachleistungen
und des Ertrages des englischen Einfuhrzolls ans deutsche Waren von etwa1 3',v auf V50 Millionen Goldmark herabzusetzen.