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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
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TieErfolge" der Erfüllungspolitik

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auszugeben, die zum größten Teil nur bei der Reichsbank gegenNeuausgabe von Banknoten untergebracht werden konnten. DerBetrag der ausgegebenen Reichsschatzanweisungen, der sogenanntenSchwebende« Schuld" des Reiches, hatte am Ende des Jahres 19^0rund 15-, Milliarden Mark betragen. In den vier Monaten bisEnde April war er bis auf rund 173 Milliarden, also im Monats-durchschnitt um sechs Milliarden Mark, gestiegen. Am Jahres-schluß !921 stellte sich die Schwebende Schuld des Reiches auf247 Milliarden Mark; seit Ende April war sie also im Monats-durchschnitt um mehr als neun Milliarden angewachsen; allein derMonat Dezember hatte ein Anschwellen um mehr als 20 MilliardenMark gebrachtI Die Aufnahmefähigkeit des offenen Marktes für dieseSchatzanweisungen war zu der Zeit, als das Ultimatum angenommenwurde, bereits erschöpft. Ende April 1921 befanden sich an diskontiertenSchatzanweisungen außerhalb der Reichsbank 113,9 Milliarden Mark,Ende Dezember 1921 waren es auch nicht mehr als 114,0 Milliarden.Die Reichsbank hatte also die ganze Mehrausgabe jener acht Monateaufnehmen müssen; ihr Bestand an Reichsschatzanweisungen stieg von58,8 Milliarden Ende April auf 132,3 Milliarden Ende Dezember 1921.In derselben Zeit stieg der Umlauf an Noten und Darlehnskassen-scheinen von 80 auf 122 Milliarden Mark.

Diese durch dieErfüllungspolitik" herbeigeführte gewaltigeVermehrung des Papiergeldumlaufs bei fortdauernder, ja durch dieValutakatastrophe verschärfter Warenknappheit konnte kaum andereWirkungen haben, als das Hochtreiben der Inlandspreise. DasStatistische Reichsamt berechnet die Indexziffer für 10 wichtige Inlands-waren für den Mai 1921 auf 1200, für den November 1921 auf2967. So stark und empfindlich diese Steigerung ist in siebenMonaten auf mehr als das Doppelte, so bleibt sie doch hinterder Steigerung der Einfuhrwaren auf fast das vierfache noch erheb-lich zurück. Die Gesamtindexziffer der Großhandelspreise des Stati-stischen Reichsamts lautet für Mai 1921 auf 1L08, für den De-zember 1921 auf 3484, für den Februar 1922 auf 4103. Auch die.hier zutagetretende Steigerung des allgemeinen Preisniveaus ist uochweit entfernt von einer völligen Ungleichung an die durch deu Er-fülluugsversuch verursuchte Entwertung der deutschen Valuta.

Unnötig, über die Wirkungen dieser ungeheuerlichen Preisrevolutionein Wort zu verlieren! Die unaufhörlichen Kämpfe um die Erhaltungder Lebensbedingungen, die immer wiederkehrenden Streiks, die völligeZerreibung des Standes der Klein- und Mittelrentnersprechen eine beredte Sprache. Die staatliche und die gesellschaftlicheOrdnung wird in ihren Grundfesten erschüttert.

Und wo bleiben gegenüber diesen furchtbaren Wirkungen derErfüllungspolitik die Erfolge?

Die französischen Truppen stehen heute noch in den Hafen-plätzen des Ruhrgebietes. Die Aussicht auf die Aufhebung diesesTeiles der Sanktionen hat sich als trügerisch erwiesen.