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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
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DieErfassung der Goldwerte"

Papiergeld umgerechnet. Eine Zwangshypothek in Höhe von 20 Pro-zent des sich so ergebenden Wertes, d.h. in Höhe von 300 Prozentdes Friedenswertes, die mit Vorrang vor allen bisher bestehendenLasten ausgestattet ist, wird auf jedes Grundstück eingetragen.

3. In gleicher Weise sollte bei dem städtischen Hausbesitzverfahren werden. Da bei den gesetzlich festgesetzten Höchstmieten offenbarnicht einmal ein bescheidener Teil dieser Zwangshypotheken verzinstwerden könnte, schlug die Denkschrift vor, zu den bestehenden Mieten ^einen Zuschlag von 300 Prozent der Friedensmiete zuerheben mit der ausschließlichenBestimmung der Verzinsung der zu-gunsten desReparationsfonds" eingetrageneu Zwangshypotheken.

4. Bei den gewerblichen und kaufmänuischeu Unter-nehmungen einschließlich der Banken sollte an die Stelle dererststelligen Zwangshypothek eine Zwangsbeteiligung desRepara-tionsfouos" in Höhe von 20 Prozent des in den einzelnen Unter-nehmungen investierten Kapitals treten, mit der Maßgabe, daß beikünftigen Kapitalserhöhungcn die Beteiligung des Reparationsfondsstets entsprechend miterhöht werden sollte.

5. Durch neue Steuern und Abgaben sollte der Jnlandsver-brauch auf denlebensnotwendigen Bedarf" eingeschränkt werden,um auf diese Weise eine Einstellung der Produktionsstätten auf dieHerstellung von Ausfuhrwaren zu erzwingen. Gleichzeitig sollten dieReichszuschüsse zur Verbilligung der Lebensmittel in Wegfall kommenund die Lebensmittelpreise den Weltmarktspreisen angepaßt werden.Die Zuschüsse des Reiches zu den Verkehrsunternehmungen (Postund Eisenbahn ) sollten durch erhebliche Steigerung der Tarife be-seitigt werden.

6. Angesichts der Tatsache, daß der Ertrag aller denkbaren neuenSteuern zuzüglich der Zinsen aus den Zwangshypotheken und denGewinnen aus den Zwangsbeteiligungen nicht ausreichen würde, umdie durch das Londoner Ultimatum dem deutschen Reiche auferlegtenJahreszahlungen an die Entente zu decken, empfahl die Denkschriftschließlich eine schrittweise Veräußerung der Zwangshypo-theken und der Zwangsbeteiligungen an das Ausland.

Ich habe diesen Vorschlag des Reichswirtschaftsministers, nach-dem seine Einzelheiten bekannt geworden waren, als dieZwangs-vollstreckung in das deutsche Volksvermögen zugunsten derEntente" charakterisiert (Deutsche Tageszeitung vom 31. Mai 1921).In der Tat bedeutet der Vorschlag nichts anderes als die Enteignungeines erheblichen Teiles unserer nationalen Produktionsmittel in Land-wirtschaft und Industrie zum Zwecke der Überführung an die Entente.Sogar das Diktat von Versailles hatte wenigstens das in Deutschland selbst belegene deutsche Privateigentum respektiert und lediglichdas Eigentum des Reiches selbst und der deutscheu Einzelstaaten fürdie deutschenReparationsverpflichtungen" haftbar gemacht. DieUnantastbarkeit des Privateigentums ist der letzte Schützengraben, der