Die „(5rfc>ssmig der Goldwerte"
zu sprechen und empfahl nur noch deren „Verpfändung". Alsob Verpfändung eines Wertes für eine Schuld, die man nie erfüllenkann, nicht gleichbedeuteud mit Veräußerung wäre!
In der öffentlichen Agitation glaubte die Sozialdemokratie auf jedesolche Rücksicht verzichten zu können. Sie witterte in dem Schlagwortvon den „Goldwerten" eine zugkräftige Parole für etwaige Neuwahlenzum Reichstag und legte sich selbst so stark wie nur irgend möglichdarauf fest, daß keine Steueru irgendwelcher Art auf Verbrauch uudVerkehr bewilligt werdeu dürften ohne gleichzeitige „Erfassung derGoldwerte".
Die Stellung der Deutschuationalen Volkspartei zu derFrage der Heranziehung der „Goldwerte" habe ich in einer Reichs-tagsrede vom 7. November 1921 eingehend dargelegt. Ich habe aus-geführt, daß auch wir keineswegs die Unbilligkeit übersehen, die ins-besondere aus der törichten Struktur des Reichsu otopfers infolgeder Geldentwertung für die Besitzer von reinen Geldforderungen uudfür die Besitzer von Sachwerten erwachsen ist.
„Die Besitzer reiner Geldforderungen, also von Kriegsanleihenund sonstigen Reichs-, Staats- und Kominunalanleihen, von Pfand-briefen, Hypotheken usw. haben die volle Schwere der Geldentwertungzu tragen. Die durch die staatliche Finanz- und Geldpolitik ihnenauferlegte Besteuerung, wie sie in der Geldentwertung zum Ausdruckkommt, beträgt heute nach dem inneren Geldwert für diese Leutemehr als 90 Prozent, und nach dem äußeren Geldwert, dem Valuta-stand, nahezu 99 Prozent ihres Vermögens. Es wäre aber falsch,anzunehmen, daß die Besitzer von Sachwerten oder, wie die Herrengern sagen — es macht sich in der Agitation besser — von „Gold-werten" nicht auch schwer uuter der Geldentwertung zu leiden hätten.Auch die Sachwerte, namentlich die Erträgnisse der Sachwerte, sindnicht entfernt im Verhältnis der Geldentwertung gestiegen, weder inder Landwirtschaft noch in der Industrie. Wo ist ein Landwirt, dersein Reineinkommen in dem Maße hätte steigern können, in dem sichdas Geld entwertet hat? Wo ist vor allen Dingen irgendeiner unterden städtischen Hausbesitzern, die heute noch unter der Zwangswirtschaftstehen, der weiß, wie er sein Auskommen finden kann? Wo ist heuteein städtischer Hausbesitzer, der nicht in der größten Sorge darüberist, ob die Erträgnisse, die er aus seinem Hause zieht, auch nur zurnotdürftigen Instandhaltung des Hauses ausreichen? Wo sind dieindustriellen und kommerziellen Unternehmungen, deren Erträgnisseauch nur auuähernd mit der Geldentwertung Schritt gehalten hätten?Ich habe schon erwähnt, daß, berechnet aus den Kurs unserer Aktien,die Dividenden 2 Prozent im Dnrchschnitt wohl kaum erreichen,bei den Kursen unserer Aktien, die heute bei der Geldentwertungaufgebläht erscheinen. Eine Deutsche Bank-Aktie von 1000 Markim Nennwert kostet heute den Amerikaner bei einem Kurse von 690 —ich habe den Dollar zu 240 Mark zugrunde gelegt — noch keine