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nur mit der Sorge um deu Eingang der Deutschland auferlegtenReparationszahlungen; ja diese Sorge wurde von Sir Robert Horuegeflissentlich in den Hintergrund gestellt, indem er mit einem deutlichenSeitenblick auf Frankreich betonte, England habe bisher den Grund-satz verfolgt und werde ihn weiter verfolgen, sein Budget ohne jedeRücksicht auf die deutschen Zahlungen auszustellen. Die weitblicken-dere englische Auffassung des Reparationsproblems brachte der britischeSchatzkanzler in den Worten zum Ausdruck, daß „der Zusammen-bruch Deutschlands , sollte er unglücklicherweise dnrch irgend eineAktion der Alliierten herbeigeführt werden, ein Unglück nicht nur fürDeutschland sondern für Europa uud die ganze Welt sein würde,eine Katastrophe, die uicht uur vom wirtschaftlichen, sondern auchvom politischen Standpunkt aus gesehen von unsagbarer Einwirkungauf die Welt sein müßte."
Aber auch die Sorge vor der Katastrophe des deutscheu Zu-sammenbruchs war wohl nicht der Hauptgrund, der Sir Robert Hörnebestimmte, Boraussetzungen und Bedingungen für irgendwelche Zu-geständnisse Englands au Deutschland namhaft zumachen; in ersterNeihe stand für ihn wohl die Sorge der britischen Industrie vor derdurch die schlechte deutsche Valuta begünstigten deutschen Kon-kurrenz.
Wenn Sir Robert Hörne den Wegfall der Reichszuschüsse fürdie Berbilligung des vom Auslaud bezogeueu Brotgetreides uud dieBeseitigung der Fehlbeträge bei der Post uud Eiseubahn forderte,so kam es ihm vor allem darauf an, daß die „Subventionierungder deutschen Industrie", die mau auf euglischer Seite iu derNiedrighaltuug des Brolpreises und iu den niedrigen deutschen Post-gebühren und Eisenbahnfrachten erblickt, beseitigt würde. Aus diesemGesichtspunkte heraus erklärt es sich, daß er für die Sanierung derBetriebsverwaltungen des Reichs nicht die in erster Linie notwendigeninneren Reformen, sondern starke Tariferhöhungen verlangte. Nochdeutlicher zeigt sich der Zweck der von Sir Robert Hörne formuliertenVoraussetzuugeu iu der Forderung einer Erhöhung des deutscheuKohlenpreises auf den Stand der Weltmarktpreise. Bei der Kohlekommt keinerlei künstliche Berbilligung in Betracht, wie sie beim Aus-landsgetreide durch die Reichszuschüsse vorliegt und wie sie bei denPostgebühren und Eisenbahnfrachten aufgrund der Defizitwirtschaftdieser Betriebe wenigstens vermutet werden kann. Im Gegenteil, dieKohle unterliegt heute schon in Deutschland eiuer schweren Besteuerung,wie sie nirgends in der Welt auch uur annähernd ihresgleichen hat.Aber freilich, da unser inländischer Geldwert sich dem katastrophalenSturz unserer Valuta uvch uicht voll angepaßt hat, stehen trotzdemdie deutscheu Kohleupreise unter dem Weltmarktsniveau. DirekteKonkurrenz der deutschen Kohle mit der englischen ist zwar infolgeder uns durch das Versailler Diktat auferlegten Lieferuugsverpflich-tungen für die nächsten Jahre ausgeschlossen. Aber die Differenzzwischen Weltmarktspreis für Kohle und deutschem Inlandspreis wird