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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
Seite
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Der Zusammenbruch der Erfüllungspolitik

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leistung in Höhe von 720 Millionen und Sachleistungen in Höhevon 1450 Millionen Goldmark aufzuerlegen.

Der Deutschen Regieruug wurden 14 Tage Frist gegeben, um sichüber ihre Stellungnahme klar zu werden und ihre Antwort an dieReparationskommission zu formulieren. Sie hatte abermals die Wahl,ob sie sich Forderungen der alliierten Regierungen, die zwar gegen-über dem Londoner Ultimatum ermäßigt, aber immer noch schlecht-hin unerfüllbar waren, widersetzen oder sich diesen Wünschen dieses-mal in Form eigener Vorschläge unterwerfen wollte.

DieRegierung der Erfüllung" ist sich selbst treu geblieben.In ihrer Antwort an die Reparationskommission vom 28. Januar1922 hat sie abermals die Unterwerfuug unter unerfüllbare Forde-rungen vorgezogen.

In der Antwortnote wird unter Hinweis auf die AusführungenDr. Ralhenaus in Cannes von den Gründen gesprochen,die esDeutschland trotz höchster Kraftanstrengung zur Zeit unmöglichmachen, die gesamten Reparationsleistungen aufzubringen." Es wirdausgeführt, daß jede erhebliche Zahlung iu Devisen eir.e neue Er-schütterung des Markknrses bringen muß, daß sie gleichzeitig alleinneren Einnahmen entwertet und alle Ausgaben steigert und damitDeutschlands Fähigkeit zu Reparationsleistungen immer mehr schwächt.Wenn man das Reparationsproblem unter wirtschaft-lichen Gesichtspunkten betrachtet, so muß man zu demErgebnis kommen, daß es unbedingt erforderlich ist,Deutschland für längere Zeit, mindestens aber für dasganze Jahr 1922, von allen Reparationsleistungen in barzu befreien."

Aber diesem Satz, der endlich einmal die nackte Wahrheit hin-zustellen wagt, folgt auf dem Fuß die Unterwerfuug:

Die deutsche Regieruug verschließt sich jedoch nicht der Er-kenntnis, daß sie unter den gegebenen Verhältnissen selbst dieschwersten Bedenken für die deutsche Wirtschaft und die Finanzendes Reiches hinter die politischen Notwendigkeiten zurück-stellen muß."

Was sind diesepolitischen Notwendigkeiten?" die Notedefiniert sie in dem nächsten Satz:

Der deutschen Regierung ist bekannt, daß von alliierter Seite inCannes für die Reparationsleistungen Deutschlands für das Jahr l922folgende Ziffern in Erwägung gezogen worden sind: 720 MillionenGoldmark an Barzahlungen, bis zu 1450 Millionen Goldmark anSachleistungen. Die deutsche Regierung darf nicht unterlassen, daraufhinzuweisen" der uaive Leser erwartet uun: daß diese Leistungenfür Deutschland unerschwinglich sind; aber er wird enttäuschtdaß die Mittel zur Deckung so bedeutender Leistungen auch nachDurchführung der inneren Finanzreform zum großen Teil nur durchErhöhung der schwebenden Schuld beschafft werden können, und daß