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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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Srstcs Capitcl.

der Berathung nicht bloßer Zufall die Schuld trägt.Schon daß ein in früheren Versammlungen so oft durch-gesprochener Gegenstand von Neuem so viel Kopfzerbrechenund Meinungsaustausch veranlaßte, deutet auf innereGründe für das langsame und schwierige Zustandekommendes Endresultats hin. Es war aber nicht bloß die Schwierig-keit der Aufgabe, welche deu Gang der Verhandlungenhemmte, sondern vielleicht bei allen, jedenfalls bei deumeisten Theilnehmern an der Berathung, ein mehroder weniger bewußtes Zögern gegenüber der Verantwort-lichkeit: ein Problein zum Abschluß zu bringen, für wel-ches man den Augenblick des Abschlusses der inneren wieder äußeren Zeitigung der Ideen nach kaum als einge-treten empfand.

Diese Empfindung ist sicherlich durch deu späterenGaug der Dinge mehr als gerechtfertigt worden. Ausdem Gebiete der Theorie wie der Praxis ist der Kampf,in welchen jener Gesetzentwurf einzugreifen sich berufeufühlte, seither so heftig entbrannt, daß die Ansicht, als-sei nur aus anerkannten Wahrheiten ein einfaches logischesFacit zu ziehen, nicht aufkommen kann; und welchesimmer künftige Entschlüsse sein mögen, die Urheber derjüngstgefaßten können sich nur Glück wünschen, daß siemit Langsamkeit und sogar mit Aengstlichkeit vorgingen.Denn ob die neuerdings in die Arbeiterfrage geworfeneuGedankenmassen Gutes oder Schlechtes enthalten, sie er-heben doch jedenfalls den lauten Anspruch, bei der Lösuugder gesetzgeberischen Frage in den Vordergrund der Be-trachtungen gezogen zu werden.

Es war überhaupt das Schicksal des besagten Gesetz-entwurfs, daß er bei jedem neueu Anlauf eine ernsterePhysiognomie annahm, von Anbeginn als etwas ganz