132 II. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER FELDGEMEINSCHAFT.
Gründen erwünscht schien. Die Umtheilungen beugen ja dervollen Verarmung der schwächeren 'Wirtschaften vor, sie lassendieselben nicht zahlungsunfähig werden. Der Einfluss der Be-amten lässt sicli aber bloss am Tempo der Entwicklung merken.Da, wo der Boden nicht durch innere Entwicklung für denUebergang reif war, haben sie beim besten Willen nichts zuStande bringen können. 1 )
Vielfach wird behauptet, dass die Umtheilungen in Sibirien ihre Entstehung der Einwanderung der Bauern aus dem euro-päischen Russland verdanken, welche die Idee der Umtheilungvon der Hoimath mitgebracht haben sollen. Diese Ansicht wirdvon allen denen, welche die Entwicklung der Feldgemein-schaft an Ort und Stelle beobachtet haben, einstimmig verworfen.Die Einwanderungen haben zweifellos eine grosse Rolle gespielt,aber nur durch die Vermittlung der rascheren Zunahme derBevölkerung. Einen unmittelbaren Einfluss haben die Einwanderernicht ausgeübt. Das kann man daraus ersehen, dass die Ent-wicklung auch in denjenigen Gemeinschaften, in welchen keineEinwanderung stattgefunden hat, in genau derselben Weise ver-laufen ist; dass weiter in vielen Gemeinschaften, in welchenEinwanderung stattgefunden hat, die ersten Umtheilungen bereitsin der Zeit vor der Einwanderung vorgenommen worden sind;ferner weisen auch die Gemeinschaften der Eingeborenen, welcheausserhalb des Einflusses von einwandernden Russen standen,denselben Entwicklungsgang auf. Schliesslich will ich nocherwähnen, dass die Einwanderung aus solchen Gegenden deseuropäischen Russlands , welche keine Mirgemeinschaft mit all-gemeinen Umtheilungen kennen, vielfach genau in derselbenWeise gewirkt hat; das zeigt deutlich, dass der Einfluss derEimvanderung ausschliesslich auf der plötzlichen Zunahme derVolkszahl beruht. Andererseits haben die Einwanderer seilost,sobald sie im landreichen Sibirien zu wirthschaften hatten, viel-fach die heimathlichen Traditionen bald vergessen, um dasOccupationsrecht der neuen Heimath in ihren Gemeinden ein-
4 ) Vgl. die ausführliche Behandlung der Frage bei Katschorovvski,S. 238—248.