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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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134 II. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER FELDGEMEINSCHAFT.

des Landes unter die Genossen. 1 ) Als maassgebend zeigen siebwiederum dieselben beiden Factoren, welche in der Geschichteder sibirischen Feldgemeinschaft eine so grosse Rolle spielen:der steigende Werth des Grand und Bodens und die Aner-kennung des Rechtes auf das Object der aufgewandten Arbeit.Da, wo, wie z. B. in den Steppen des Don, des Uralflusses undder unteren Wolga, im Woronesch - und im Chersongebiete, dieBevölkerung mit Grundstücken zu thun hatte, welche keinenAufwand von Arbeit erfordern, um nutzbar gemacht zu werden,ist die freie Nutzung der Ausgangspunkt der Entwicklung; da,wo die Grundstücke erst durch grösseren Aufwand von Arbeitnutzbar gemacht wurden, treffen wir auch die Phase der Oc-cupation, welche während längerer oder kürzerer Zeit alle Zügedes erblichen unbeschränkten Grundeigenthums aufweist; soz. B. im Südwesten in den Waldkreisen des GouvernementsTschernigow, im Nordosten im Gouvernement Nischni-Nowgorod .Den Entwicklungsgang in allen diesen Fällen will ich nichtschildern, da er von dem oben beschriebenen im Wesentlichennicht abweicht und ausserdem weniger genau festgestellt ist.Ich will nur noch die Entwicklung der Grundeigenthumsver-fassung in den deutschen Kolonien des Gouvernements Saratow ins Auge fassen, da sie ein besonderes Interesse wegen derNationalität der Bevölkerung bietet.

Gegenwärtig besteht in diesen Kolonien die Feldgemein-schaft in der in Russland allgemein verbreiteten Form, d. h.mit periodischen Umtheilungen. Die Bevölkerung erinnert sichaber noch deutlich an andere Verfassungen. Es wird glaub-würdig erzählt, dass die gegenwärtige Verfassung erst ziemlichspät entstanden sei und zwar unter dem Drucke des allmählichsich entwickelnden Mangels an freiem Lande, der es nicht mehr

) Es scheint, dass der Entwicklungsgang der Feldgemeinschaft aufJava dem sibirischen nicht unähnlich ist.Le regime collectif tend äsintroduire, quand la population devient plus dense, parce que chacunveut avoir au moins de quoi recolter du riz. (Laveleye, S. 69). Die,leider zu kurz gehaltene, Abhandlung von Taganyi legt den Gedanken aneinen ähnlichen Entwicklungsgang auch für Ungarn nahe.