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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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2. ZUSAMMENGESETZTE FELDGEMEINSCHAFTEN.

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liehen Verbände kennen gelernt haben, wollen wir, ehe wir zumStadium des absteigenden Zweiges übergehen, die Structur derMarkgemeinschaft auf der Höbe der Entwicklung näher betrachten.

Es sind da zwei Fälle zu unterscheiden. Entweder er-scheint der ganze ausgedehnte feldgemeinschaftliche Verbandals eine einfache Feldgemeinschaft im morphologischen Sinnedes Wortes: der Gesammtverband setzt also die Antheile allerGenossen fest und weist ihnen selbst ihre Grundstücke zu,wobei die Dörfer keine feldgemeinschaftliche Functionen zuerfüllen haben. Oder es findet eine Theilung der Aufgabenzwischen dem Gesammtverbande und den Theilgemeinschaftcnstatt und die Dorfgemeinschaften treten als mit bestimmtenFunctionen ausgestatteto Organe ins Gefüge der zusammen-gesetzten Feldgemeinschaft ein.

Diejenige Organisationsform der Markgemeinschaft, beiwelcher sie als eine einfache Feldgemeinschaft functionirt, istnur da zu treffen, wo der ausgedehnte Verband nicht auf demWege des Zusammenschlusses mehrerer geringeren Verbändeentstanden ist. Hier ist sie aber die ältere Form, diejenige, vonwelcher die Entwicklung der Feldgemeinschaft ausgeht, ln demoben geschilderten Falle der Entstehung der zusammengesetztenGemeinschaft unmittelbar aus dem Familieneigenthum ist siedirect durch die Matur der Verhältnisse gegeben: die Bildungdes Verbandes wird ja in diesem Falle durch die gemischteLage der von den einzelnen Genossen occupirten Grundstückebedingt; unter solchen Verhältnissen ist es nicht zu erwarten,dass die Zugehörigkeit der Wirthe zu einzelnen Dorfverbändenbetont werde; im Gegentheil zwingt der Wunsch, die Wirthevon ihren Parzellen nach Möglichkeit nicht zu verschieben,geradezu jede Kiicksichtnahme auf den Dorfverband fallen zulassen. Die Bedeutung, welche gerade dieses Moment für dieWald der Organisationsform hat, tritt deutlich darin zum Vor-schein, dass diese Form am meisten in den Gegenden ver-breitet ist, wo die Vorbereitung des Bodens zur landwirthschaft-lichen Nutzung grosse Vorarbeiten erfordert, namentlich, wo dieEndung sehr schwer ist.