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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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193
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1. FELDGEMEINSCHAFT UND DIE NUTZUNGSWEISE DER GRUNDSTÜCKE. 193

nicht immer den Berechtigungen am Ackerlande gleich gesetztsind. Man zieht nämlich in Betracht, dass das Bedürfniss ander Holznutzung nicht dem Consumentenbestande der Familieproportional zunimmt, sondern eher für alle Wirthschaften un-gefähr gleich gross ist. Das Holz wird ja fast ausschliesslichzum Heizen und zur Reparatur oder zum Bau neuer Gebäudegebraucht. Bei den bäuerlichen Verhältnissen sind diese Be-dürfnisse von der Zahl der Mitglieder der Familie fast unab-hängig; die Familie von zehn Mitgliedern verbraucht nicht vielmehr Holz zum Heizen als die von nur fünf Mitgliedern, wennjede von ihnen in einem Hause wohnt und nur einen Ofen zuheizen hat. Demgemäss werden die Holzberechtigungen hie undda nach der Zahl der Oefen bemessen oder, was eigentlichgleichbedeutend ist, einfach für alle Haushaltungen gleichgesetzt.Im Falle dass ein Genosse Holz zum Bau neuer Gebäude braucht,pflegt man ihm die Baumaterialien aus dem gemeinschaftlichenWalde extra zu geben. Dabei wird stets darauf geachtet, dassdas Holz thatsächlich zu dem Zwecke verbraucht werde, zuwelchem es gegeben worden ist, und nicht etwa verkauft werde.

Ausser dem Gehöftlande, den Aeckern, Wiesen, Weidenund Waldungen können noch andere Nutzungen im Besitze derGemeinschaft sein: Fisch- und Jagdgründe, Wasserläufe, Torf-und Moosgründe, Kohlen- und Steinbrüche, Mühlen u. s. w. Soberichtet z. B. Al. Kaufmann aus dem Turin schen Kreise, dassda mehrere Mühlen im gemeinschaftlichen Besitze einer grossenzusammengesetzten Feldgemeinschaft sind; zur Zeit der Unter-suchung wurden 154 Bevisionsseelen auf einen Miihlgang ge-rechnet; es wurden demnach jeder Theilgemeinschaft so vieleMühlgänge überwiesen, wie viele Male sie 154 Revisionsseelenenthielt; innerhalb der Theilgemeinschaften wird dann die Nutzungin der Weise geordnet, dass jeder Besitzer eines Antheils dieMühle ein Mal in 154 Tagen benutzt. 1 ) Es würde mich aber weitüber die Grenzen der vorliegenden Studie führen, wenn ichauch alle diese mit der eigentlichen Landwirtschaft sich kaum

) Kaufmann, S. 226.

Tschuprow, Feldgemeinschaft.

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