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III. ANPASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.
Dünger beim Waldmangel dieser ste-ppenartigen Gegenden viel-fach als Brennmaterial nicht zu entbehren ist. Noch wichtigerist, dass die Bauern meistens überhaupt nur sehr wenig Dungzur Verfügung haben, da sie bei ihrem spärlichen Grundbesitzdie ganze Gemarkung als Ackerland benutzen und sein - wenigVieli halten. Ferner kommt in Betracht, dass sehr oft der wenigeDünger bereits für die Feldgärten verbraucht Avird, in denenman Hanf zu bauen pflegt, so dass für das Brachfeld nichtsmehr übrig bleibt. Von allergrösster Bedeutung ist jedoch derUmstand, dass die Düngung der Brache die Bracheweide abkürztund somit bei dem ohnehin kaum erträglichen Mangel an Weiden die Viehemährung noch Aveiter verschlechtert, und ZAvar geradein dem Augenblicke, avo man mehr Dünger begehrt. Dazu kommennoch die Sclrwierigkeiten des Transportes des Dungs auf die Felder,da gerade in diesen Gegenden die bäuerlichen Gemarkungen diedenkbar unbequemsten geometrischen Formen aufAveisen.
Trotz alledem bricht sich die Ueberzeugung, dass dieDüngung des Brachfeldes das einzige praktische Mittel sei, derBodenerschöpfung abzuhelfen, doch allmählich Bahn. Vorangehen meistens die ehemaligen gutsherrlichen Bauern, die schonvor der Befreiung ihre Felder hie und da auf Anordnung desGrundherrn düngen mussten und auch jetzt das Beispiel derGutsAvirthschaften näher A'or Augen haben. Ihnen folgen danndie ehemaligen Domänenbauern. Dieser interessante Zeitabstandberuht zum Theil auch darauf, dass die gutsherrlichen Bauernim Durchschnitte viel schlechter mit Land ausgestattet sind, alsdie Domänenbauern, so dass das Bedürfniss der Intensivirungder Wirthschaft bei ihnen früher eintritt.
Natürlich kommen in der Kegel nicht alle Mitglieder derGemeinschaft auf einmal auf die Idee, es mit der Düngung desBrachfeldes zu versuchen. Zuerst ergreifen einzelne rührigereWirthe den Gedanken; die anderen bekehren sich erst danndazu, Avenn sie Augenzeugen der guten Erfolge geAvorden sind.Nun ist es diesen ersten Pionieren der Düngung zunächst nichtimmer leicht, ihr Werk durchzusetzen. Man hindert sie ZAvarnicht, den Dünger auf ihre Aecker hinauszufahren, vorausgesetzt,