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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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2. FELDGEMEINSCHAFT UND WIBTHSCHAFTSSYSTEM.

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dass dabei der Bracheweide kein Schaden geschehe; es ist abernicht leicht, dieser Forderung zn genügen, denn die Düngungrnnss dann auf eine sehr späte Zeit verschoben werden. Ausser-dem laufen die düngenden Wirthe stets Gefahr, bei der nächstenNeuverloosung ihre gedüngten Parzellen zu verlieren; die Majoritätin der Gemeinschaft steht ja den Neuerungen eher feindlichgegenüber und ist wenig geneigt, für die Interessen der Neuererzn sorgen. In solchen Gemeinschaften werden die Felder viel-fach nur in der Zeit unmittelbar nach der Neuverloosung ge-düngt; je weiter die letzte Neuverloosung zurückliegt, je grösseralso die Wahrscheinlichkeit wird, dass nächstens eine neue statt-findet, desto bedenklicher scheint es denjenigen Wirthen, welcheihre Parzellen zu düngen pflegen, den Dünger auf die Felderzu bringen; auch wird der Dünger lieber aufgespart, damit manim Stande sei, nach der Neuverloosung die neuen Parzellengehörig zu düngen. Lässt die Neuverloosung sein lange aufsich warten, so kommt es dabei hie und da so weit, dass dieErnten in der Gemeinschaft merkbar sinken.

Solchen Quälereien sind die kühnen Neuerer jedoch nurso lange ausgesetzt, als sie gering an Zahl sind. AVird ihreZahl grösser und vollends, wenn sie die Majorität bilden, sowerden Maassregeln getroffen, um den Aufwand von Arbeit undKapital auf die Düngung sicher zu stellen. Zunächst wird hieund da durchgesetzt, dass bereits bei der Vornahme einer Neu-verloosung der Termin für die nächste bestimmt werde. Da-durch wird man wenigstens von der ewigen Ungewissheit be-freit, ob nicht etwa schon im nächsten Jahre der Umtauschder Parzellen stattfinde; Jedermann ist nunmehr im Stande, tlieDüngung seiner Parzellen nach genauer Berechnung erst danneinzustellen, wenn sie sich wirklich nicht mehr lohnt. Dennächsten Schritt bildet meistens die Verlängerung der Zwischen-räume zwischen den Neuverloosiuigen. Oft bezieht sich dieseMaassnahme nur auf einen Theil der Flur. Manchmal werdendie betreffenden Gewanne von Neuverloosimgen ganz ausge-schlossen, damit, man darauf den Ackerbau mit Düngung ganzunbehindert treiben könne; in der Regel werden dafür die an