222
III. ANPASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.
im wesentlichen nicht A'on denjenigen, wo es noch keinem ein-fällt, seinen Dungvorrath auf das Brachfeld zu bringen. ‘Nurin der Uebergangszeit erwacht die Feldgemeinschaft, um diezur Durchführung der Reform nöthigen Maassregeln zu ergreifen.
§ 8. Fassen wir jetzt die Aenderung der Zahl der Felderins Auge. Diese Frage hat schon Haussen’s Aufmerksamkeit aufsich gezogen. 1 ) Hanssen stellt sich zwei mögliche Formen desUeberganges von einer Zahl der Felder zu einer anderen vor.Der Uebergang von der Zweifelderwirthschaft zur Yierfelder-wirthschaft könne unmittelbar durch das Halbiren der beidenFelder geschehen. Da, wo die Zahlenverhältnisse eine so einfacheLösung nicht zulassen, wie etwa beim Uebergange von der Drei-zur Vierfelderwirthschaft, müsse das vierte Fehl durch Neurodungeines ökonomisch den übrigen drei Feldern gleichen Grundstücksgebildet werden; in gleicher Weise beim Uebergange von derDrei- zur Fünftelderwirthschaft. Die Möglichkeit, dass die inFeldgemeinschaft unter Flurzwang wirtschaftenden Bauern ohneweiteres die Zahl der Felder ändern, lässt Hanssen gar nichtzu; er hält es für undenkbar, dass, wenn eine dreifeldrige Ein-teilung bereits existirt, eine zweifeldrige oder eine vierfeldrigeohne Neurodung daraus gemacht werde. Er meint vielmehr,dass die Zahl der Felder (ausser in den oben erwähnten Fällen)so, wie sie sich beim Aufhören der Feldgraswirthschaft stellt,bis zur Aufhebung des Flurzwanges bleibe. Die Beobachtungenüber die bäuerlichen Fehlgemeinschaften in Russland widerlegendiese Ansicht Hanssens. Wir treffen hier Fälle der unmittel-baren Aenderung der Felderzahl unter den denkbar ungünstigstenZahlenverhältnissen. Gerade der Uebergang von der Drei- zurZweifelderwirtschaft ist vielfach beobachtet worden. 2 ) Bereits
‘) Hanssen, I, S. 174—175.
2 ) Nebenbei bemerkt, bietet eigentlich die Aenderung der Felderzahlin diesem Falle keine grösseren technischen Schwierigkeiten, als etwa indem nach Hanssen leicht vorstellbaren Falle des Ueberganges von derZwei- zur Vierfelderwirthschaft: wie hier die Halbirung der beiden Felderdas Problem ganz einfach löst, so braucht man dort nur eines der dreiFelder in zwei gleiche Theile zu zerlegen und je eine Hälfte zu jedemder übrig bleibenden zwei Felder zu schlagen.