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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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2. FELDGEMEINSCHAFT UND WIRTHSCHAFTSSYSTEM.

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jedoch unter der Bedingung, dass dadurch denjenigen Genossen,welche den normalen Wirthschaftsplan einhalten, kein Schadengeschehe. Will z. B. Jemand im Winterfelde Sommergetreidebauen, so hat er sich beim Pflügen im Frühjahr so einzurichten,dass er die angrenzenden Parzellen nicht betrete; er muss sich alsozum Wenden des Pflugs der äussersten Tlieile seiner eigenen Par-zelle bedienen; sonst muss er dem Nachbarn den Schaden ersetzen.

Die Winterfrucht wird trotzdem in Russland überein-stimmend gewählt, im Sommerfelde werden aber von einzelnenWirten die verschiedensten Erdichte gebaut, und es finden inder Wahl der Sommerfrüchte fortwährende Verschiebungen statt.Zunächst kommen die Schwankungen in Betracht, welche aufdie individuellen Veränderungen in der Lage und in den Bedürf-nissen der einzelnen Wirtschaften zurückgehen. Insbesondereist bei diesen Aenderungen der Mangel an Aussaat maassgebend.Was du geerntet hast, das wird gesäet, sagt der russischeBauer, denn zum Ankäufen der Aussaat hat er selten freiesGeld. Selbst auf die Bestellung des Winterfeldes übt dieser Um-stand einen gewissen Einfluss; fehlt es der Wirtschaft imHerbst an Aussaat (oder an Arbeitskräften), so bleibt das Winter-feld unbestellt; es wird dann im Frühjahr Sommergetreide daraufgebaut, wogegen die Gemeinschaft nichts einzuwenden pflegt.Vollends übt aber dieses Moment seinen Einfluss auf die "Wahlder Sonnnerfrucht; da wird von dem Bauern vielfach nicht das,was er möchte, sondern das, was er hat, gesäet. Von nochgrösserer Tragweite als diese vom Standpunkte der gesammtenVolksAvirthschaft aus planlosen und zufälligen Schwankungensind dauernde, auf den Veränderungen in den natürlichen,wirtschaftlichen und socialen Lebensverhältnissen der gesammtenBauernschaft beruhende Verschiebungen in der Wahl der Sommer-früchte. So wird z. B. die Verbreitung des Kartoffelbaues imSommerfelde, insbesondere in der Nähe der Städte und grosserFabrikdörfer, aus mancher Gegend Russlands erwähnt. Anderer-seits wird hie und da etwa der Haferbau eingestellt, was, wie wirbereits gesehen haben, in manchen Fällen sogar zur Aenderungder Felderzahl führt. Eine in Mittel-Russland ziemlich verbreitete

Tschuprow, Feldgemeinschaft.

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