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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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2. FELDGEMEINSCHAFT UND WIRTSCHAFTSSYSTEM .

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In allen erwähnten Fällen ist die Hauptschwierigkeit, mitder man fortwährend zu rechnen hat, die Unentbehrlichkeit derBrache- und Stoppelweide. Ist dagegen die Feldgemeinschaft inder Lage, auf die gemeinsame Brache- und Stoppelweide, wennauch nur theilweise, zu verzichten, so wird der Spielraum fürdie Initiative der Einzelnen in der Fruchtwahl ganz erheblicherweitert. Da kommt es sogar vor, dass der Anbau mehrjährigerFrüchte möglich wird, ohne dass die Feldgemeinschaft aus-drücklich die Dreifelderwirthschaft aufgäbe. So wird z. B. ausdem Go uv. Nowgorod von einem Dorfe (Dementjewo) berichtet,dass in dieser Weise der Kleebau eingeführt worden ist; eswurde dabei so verfahren: die Gemeinschaft schloss in einemFelde ein paar Gewanne bis auf weiteres von dem gemein-samen Weidegange aus und hob in Bezug auf dieselben denFlurzwang auf; es wurde dadurch für alle Wirthe die Möglich-keit geschaffen, Klee zu bauen, sie wurden jedoch dazu nichtgezwungen, sondern durften vielmehr in diesen Gewannen auchdie Dreifelderwirthschaft in herkömmlicher Weise weiter treiben.Nach 23 Jahren, wenn der Klee auf diesen Gewannen keineguten Erträge mehr giebt, wird der Kleebau in das zweite Feldverlegt, dann in das dritte, dann wieder in das erste u. s. w.,wobei man stets in derselben Weise vorgeht.

§ 10. Die grössten Ansprüche werden an die Gemeinschaftdurch die Einführung neuer Früchte selbstverständlich danngestellt, wenn dabei Veränderung der Felderzahl erforderlich ist.Um diesen für uns besonders interessanten Vorgang näher kennenzu lernen, wollen Avir ihn an einem Beispiele eingehend studiren,nämlich an dem Uebergange von der Dreifelderwirthschaft zueinem achtfeldrigen Systeme mit Anbau i-on Klee, welcher gegen-Avärtig in Mittel-Russland , nördlich des Gebietes derSclrwarzenErde, stattfindet, Hauptsächlich rverden Avir dabei das Gouv.Moskau im Auge haben, avo der Vorgang von einem im Diensteder Landschaft stehenden Agronomen Herrn W. BaschajeAv be-sonders gut beobachtet und genau geschildert Avorden ist.

Die Wirthschaft des russischen Bauern, aaüg sie durch dieBauernreform gestaltet Avorden ist, leidet an vielen Mängeln.

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