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III. ANPASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.
Neuerung ein Stoss von Aussen nothwendig ist, während späterhei günstigen Verhältnissen die Entwicklung von selber weitergeht. Ueberall, wo wir den Uebergang von der Dreifelderwirth-schaft zum Kleebau antreffen, finden wir, dass er auf Anregungvon Aussen eingeleitet worden ist. Der erste Anlass ist entwederdas Arbeiten auf den Kleefeldern des benachbarten Gutsbesitzers,wobei man die Vorzüge und die Technik des Kleebaus kennenlernt, oder es ist das Pachten eines Kleefeldes; oft geht derAustoss von einem intelligenten Kanne, welcher mit dem Dorfein Beziehung steht, aus: manchmal ist es der Lehrer, seltenerder Pfarrer, oft ist es der Gutsbesitzer. Eine besonders grosseRolle spielt in dieser Beziehung die von den Landschaften(Zemstwo) geschaffene Organisation der Agronomen, deren eigent-liche Function es ist, die agronomischen Kenntnisse im Volkezu verbreiten und bei jedem Versuche der Umgestaltung derWirthschaft behilflich zu sehr. Noch öfter ist das Beispiel der be-nachbarten Dörfer entscheidend; dies zeigt sich, wenn man dasKartogramm der Verbreitung des Kleebaus betrachtet; wir sehendarauf, dass der Klee in abgerundeten Bezirken auftritt, welcheum die Dörfer liegen, wo er am frühesten eingeführt worden ist.
Hat der Bauer den Klee kennen gelernt, so gilt es, den-selben in die eigene Wirthschaft. einzuführen. Es wird dabeisehr vorsichtig verfahren. Zunächst werden Experimente ge-macht, wenn man mit der Technik noch nicht gut genug ausErfahrungen mit gepachteten Kleefeldern vertraut ist. Gewöhn-lich fängt es damit an, dass einzelne Wirthe auf ihren vomFlurzwang freien Hausgärten oder auf eigenthümlichen, vielfachaber auch auf gepachteten Grundstücken den Kleebau versuchen.Geht es, so machen es ihnen immer mehr Nachbarn nach, bisschliesslich die Mehrheit der Genossen vom Nutzen der Sacheüberzeugt ist. Erst dann wird der Beschluss gefasst, den Kleein den gemeinsamen Wirthschaftsplan einzufügen. Auf Oppositionstösst man dabei selten. Der Kleebau kann zwar gegen dieInteressen derjenigen Genossen sein, welche keine Landwirth-scliaft führen, weil ihnen dadurch die Beweidung der Aeckergeschmälert wird; oft aber halten sie gar kein Vieh, und die-