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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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2. FELDGEMEINSCHAFT UND AVIRTHSCHAFTS8YSTEM.

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jenigen, welche einen wirklichen Verlust leiden, können leicht ent-schädigt werden, indem man ihnen etwas mein- Wiesenland giebt.

Die Formen, in welchen der Kleebau auf die gemein-schaftlichen Ländereien übertragen wird, sind sehr mannigfaltig.Meistens wird dazu ein abseits gelegenes Grundstück, oft eineWiese, gewählt, das in die Rotation der Dreifeld erwirthschaftnicht mit einbezogen ist. Oft ist es auch ein gemeinschaftlichgepachtetes Grundstück. In diesem Falle steht also der Kleebaunoch neben der Dreifelderwirthschaft, ohne dieselbe zu zersetzen.Bemerkenswerth ist, dass dabei der Anban von Klee auf denGrundstücken der einzelnen Wirthe sofort zurücktritt; es zeigtsich, dass derselbe nur ein vorbereitendes Experiment gewesenwar. Tiefer einschneidend ist es, Avenn man geAvisse Theile desAckerlandes, zumeist die Aussenschläge, mit Klee bestellt, ohnejedoch den Kleebau in die regelmässige Rotation einzufügen.Scliliesslich giebt es noch einen Modus, das ist der Bau von Futter-kräutern auf der Brache, also die verbesserte Dreifeldenvirthschaft.Alle diese Lösungen des Problems liegen ziemlich nahe, sie sindaber alle nicht ausreichend; denn sie entsprechen den technischenBedingungen des Kleebaus nicht. Der Klee kann nämlich nichtauf denselben Grundstücken ohne grössere Pausen gebaut Averden,ohne dass dieKleemüdigkeit des Bodens eintritt. Ferner Avirddas Kleefeld nur dann voll ausgenutzt, Avenn es ZAvei Jahrehintereinander gemäht Avird; die Ernte des ZAveiten Jahres istoft noch besser als die des ersten. Es ist somit eine AbAvechslmigunbedingt erforderlich, aber der dreijährige Turnus ist zu kurz.Soll sich also der Kleebau in der bäuerlichen Wirthschaft ein-bürgern, so müssen andere WirthschaftsAveisen aufgesucht Averden.Der Uebergang ist aber äusserst sclrwierig, und das macht diesePhase der Entwicklung gefahrvoll. Im Gouvernement Twer sindviele Dörfer den technischen Sclrwierigkeiten dieses Uebergangesunterlegen; sie liessen den Kleebau fallen, nachdem sie ihneine Zeit lang mit fortwährend schlechterem Erfolge in einerder geschilderten Weisen getrieben hatten, um zur altbewährtenDreifelderwirthschaft zurückzukehren; in anderen Gemeinschaftenhielt sich solcher ungeordneter Kleebau unbestimmt lange es