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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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III. ANPASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.

meinsamen Bestellung besonders gross, da es sehr schwer seinsoll. Klee auf schmalen Parzellen zu säen; das Säen wird indiesen Fällen meistens von einem geschickten Specialisten be-sorgt. Es werden mitunter auch Säemaschinen angeschafft, wasda von besonderer Bedeutung ist, wo nur das Säen gemein-schaftlich Imsorgt wird, das Mähen dagegen von jedem Wirthefür sich; denn durch die Maschinensaat werden die Miss-trauischen beruhigt, welche fürchten, dass bei der Saat nichtalle Parzellen gleich behandelt werden. Im Uebrigen sind beider Achtfelderwirthschaft keine Abweichungen zu merken vondem, was bei der gewöhnlichen Dreifelderwirthschaft üblich ist.Wir sehen also, dass die Einführung des Kleebaus nicht nurdie Feldgemeinschaft nicht zersetzt, sondern vielfach neue Bandezwischen den Mitgliedern derselben schafft.

§ 11. Das Achtfeldersystem mit Kleebau bedeutet einenkritischen Punkt für unsere Studie über die Feldgemeinschaftbei verschiedenen Wirthschaftssvstemen. Haben war bis jetztden Einfluss des Wirthschaftssystems auf die Feldgemeinschaftauf Grund umfassender Beobachtungen in allgemeinen, typischenZügen darstellen können, so sind wir im Folgenden auf Schil-derungen von -wenigen Einzelfällen angewiesen. Es sind nämlichin dem Gebiete, aus -welchem ich die meisten Beobachtungenschöpfe, d. i. im europäischen und asiatischen Russland , chehöheren Wirtschaftssysteme überhaupt nur selten zu treffen.Selbst die Einführung des Futterbaus, über die wir oben ein-gehend berichtet haben, ist ein Ergebniss der allerletzten Zeiten.Ich glaube jedoch, dass gerade diese Fälle, wo die Bauernschaftintensivere Wirtschaftssysteme annimmt, so selten es noch ge-schehen mag, unsere Aufmerksamkeit verdienen, namentlich,-weil die Ansicht so verbreitet ist, dass die Feldgemeinschaftwohl bis zur Stufe der Dreifelderwirthschaft, keineswegs aberdarüber hinaus reiche. Diese Behauptung wird schon durchvereinzelte Beispiele widerlegt, die nun folgen sollen.

Wir wollen zunächst die Entwicklung des Fruchtwechselsbetrachten. Die Beobachtung, dass die Reihenfolge der Früchtenicht ohne Einfluss auf den Ausfall der Ernte ist, wird schon