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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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2. FELDGEMEINSCHAFT UND WIRTSCHAFTSSYSTEM .

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bei der wilden Feldgraswirthschaft gemacht.; es werden auchdie daraus sich ergebenden Folgerungen gezogen. Im Gouv.Tauris achtet man z. B. darauf, dass nicht dieselben Früchteviele Jahre hintereinander auf denselben Grundstücken gebautwerden, und in manchen Gemeinschaften, wo man die Erfahrunggemacht hat, dass nach dem Roggen die anderen Früchte, aufdie man mehr Werth legt, besser gedeihen, wird in die Reihen-folge der Früchte von Zeit zu Zeit der Roggenbau eingeschoben.Im Gouv. Cherson gelten ausser Roggen auch Buchweizen undHirse als bodenbessernd. Gewisse Anläufe zum Fruchtwechselwerden ferner auch bei der Dreifelderwirthschaft gemacht. Eswird nämlich bei der Wahl der Sommerfrüchte darauf geachtet,dass nicht Früchte, welche auf den Boden erschöpfend wirken,auf dieselben Grundstücke im nächsten Turnus wiederkehren.Das wird namentlich in Bezug auf Flachs und Erbsen, welcheletztere, wie der Bauer im Gouv. Nischni-Nowgorod sagt, sichnoch im übernächsten Turnus an den Ort erinnern, genau be-obachtet. Nach Lein wird mit Vorliebe, sobald das Grundstückwieder Sommergetreide zu tragen hat, Hafer gebaut. Im KreiseMzensk hat man die Beobachtung gemacht, dass auf den Par-zellen, auf welchen man im Sommerfelde Buchweizen gebauthat, Winterroggen besser gedeihe; da nun die Cultur von Buch-weizen in der Gegend stark verbreitet ist, so hat die Feldge-meinschaft sich danach gerichtet: damit die Erhöhung der Roggen-ernte durch vorhergehenden Bncliweizenbau dem betreffendenWirtlie nicht verloren gehe, pflegt man da nicht das Brachfeld,wie sonst überall üblich, sondern das Sommerfeld den Neuver-loosungen zu unterwerfen.

Es kommt ferner vor, dass man auf der Grundlage starkerDüngung sehr intensive und an sich den Boden recht erschöpfendeWirtschaftssysteme anwendet, welche mitunter auch den Frucht-wechselcharakter haben. So hat man z. B. im Gouv. St. Petersburgin der Umgebung der Stadt Petersburg und der Stadt Kron-stadt , wegen der möglichen Dungzufuhr die Dreifelderwirthschaftfallen gelassen und den Schwerpunkt der Wirtschaft auf denBau von Kartoffeln und Hafer gelegt. Die Wirtschaftssysteme,