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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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ANHANG I.

vom Standpunkte der landwirthschaftlichen Technik ans mög-lichst homogen sind Gewanne. Es werden dabei die Be-schaffenheit des Bodens, die Entfernung von den Wohnstättenund alle möglichen technisch relevanten Eigenschaften berück-sichtigt ob und wie stark das Grundstück zur Horizontal-ebene geneigt ist, ob es mitten im Walde oder an einer Strasseoder an der AVeide liegt u. s. w. AA r ie viele solche Gewannegebildet Averden, hängt natürlich von den Verhältnissen desEinzelfalles ab. Im Gouv. Moskau Averden durchschnittlich je11 GeAvanne in jedem der drei Felder gebildet, die Zahl schwanktaber zAvischen 34 und 20. \ r or allem Avird die Zahl derGeAvanne durch den Grad der Gleichartigkeit .des Bodens inder Gemarkung beeinflusst. So ist sie z. B. in Süd-Russland,in dem Gebiete der ScliAvarzen Erde, avo die Beschaffenheit

wissen. Ich will nun diese Erklärungen nicht a limine verwerfen; beidesmag hie und da mitgewirkt haben (was übrigens auch Hanssen, II,S. 198199 zugiebt). Die beiden Theorien erklären aber das nicht, Avasan den Gewannen gerade das Charakteristische ist, nämlich, dass ihreGrenzen mit den Grenzen der in sich technisch homogenen Ackerstückezusammenfallen; hier werden schwerlich historische Erklärungen aus-reichen, ohne rationalistische Gründe kommt man nicht aus. Auch glaubeich nicht, dass diese Entstehungsweisen der Gewanne sehr verbreitetgewesen seien. In den meisten Fällen geht sicher die Gewannbildungauf das Vertheilungsproblem zurück. Gründe, welche dagegen geltendgemacht werden, treffen eigentlicli diese Auffassung entweder gar nicht dass nicht alle Parzellen im Gewanne gleich gross sind und einzelneGenossen nicht in allen Gewannen betheiligt sind, spricht gar nichtdagegen (vgl. unten S. 253, S. 254) oder sie treffen dieselbe in ihrenunwesentlichen Zügen, durch deren Beimischung ihr wahrer Charaktersowohl in der ersten Olufsenschen Fassung, Avie noch mehr bei derweiteren Ausbildung durch deutsche Agrarhistoriker entstellt worden war.Weder die ursprüngliche Gleichheit der Genossen, noch der Zusammen-hang mit dem Momente der ersten ständigen Ansiedelung sind für diese'Auffassung wesentlich. Das Problem der Landvertheilung kann sichbereits auf dem Stadium der Viehzucht stellen, nur in Bezug auf dasWiesenland, natürlich (vgl. Abschnitt III, Kap. 2, § 2). Andererseits brauchtdas Problem der Vertheilung des Ackerlandes gar nicht im ersten Augen-blicke des Ueberganges zur Ackerwirthschaft aufzutauchen; es wird viel-mehr erst nach einer längeren Entwicklung gestellt (vgl. Abschn. II, Kap. 1).