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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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ANHANG I.

auf einmal zu eggen; erst nachher können sie unter die Be-sitzer getheilt rverden.

Es ist wohl überflüssig, auf die wirtschaftlichen Nach-teile der Gemengelage und der ungenügenden Breite der Par-zellen einzugehen. Ich will nur einige Maassnahmen erwähnen,durch welche die Gemeinschaft sucht, die Nachtheile der Schmal-heit der Parzellen zu lindern. Dazu dient vor allem der Um-tausch der Parzellen unter den einzelnen Besitzern; die Ge-meinschaft macht ihrerseits alles, was von ihr abhängt, um denUmtausch zu erleichtern; solchen Wirten, welche die Absichthaben, ihre Parzellen umzutauschen, werden die Anteile inallen Gewannen neben einander zugewiesen. Dadurch erreichtman, dass z. B. im Gouvernement Moskau , wo die Zahl derWirte, welche in jedem Gewanne nur ein Loos zu bekommenhaben, gegen 10 °/ 0 ausmacht, sehr selten Parzellen getroffenwerden, welche aus weniger als zwei Loosen bestehen. Ein-zelne Gemeinschaften gehen noch weiter in ihren Bestrebungen,dem Uebel abzuhelfen. Aus dem Kreise Miehailow wird be-richtet, dass diejenigen Wirte, welche nur auf ein Loos injedem Gewann Anrecht haben, ihren gesanunten Grundbesitzan 23 Orten anstatt etwa an 13, wie die anderen, zugewiesenbekommen. Eine Gemeinschaft im Kreise Ostrogoschsk suchtsolchen Wirten ihren ganzen Grundbesitz an einem Orte zu-zuweisen. Alle solche Maassnahmen bedeuten freilich eine Ab-weichung von der strengen Gewanntheilung.

Zur Beurteilung des Verfahrens der Gewannbildung mussman aussei der logischen und technischen Einfachheit dieserLösung des Vertheilungsproblems noch beachten, dass das Zer-streutliegen der Parzellen beim Kleinbesitz gewissermaassen dieStelle der Versicherung gegen die Zufälligkeiten der Ernte ver-tritt. Liegt nämlich der ganze Besitz in einem Stück, so kannes beim Kleinbesitz natürlich weder grosse Verschiedenheitender Bodenbeschaffenheit und der Lage, noch bedeutende Unter-schiede in den Witterungsverhältnissen geben; entweder gedeihtdann die ganze Ernte gut oder sie geht ganz verloren. Bei derStroulage ist man hingegen vor dem vollen Misserfolge mehr