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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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ÜBER DIE METHODEN DER LANDVERTHEILUNG.

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oder weniger geschützt. Vernichtet der Hagelschlag die Ernteauf einer Parzelle, so bleiben die anderen vielleicht unberührt;regnet es im trockenen Sommer streifenweise, was z. B. in Süd-Russland oft der Fall ist, so hat man mehr Chancen, davon,wenn auch nur auf einem Tlieile des Besitzes,^ zu profitiren.Ist die Witterung zu trocken, so gedeiht die Ernte auf niedrig-gelegenen und sumpfigen Parzellen gut; regnet es viel, so gelltsie auf den höher gelegenen nicht verloren u. s.w. Das wissendie Bauern sehr gut zu schätzen, wie aus den verschiedenstenGegenden berichtet wird.

Bei dem Theilungsverfahren, welches die ökonomischeGleichwerthigkeit anstrebt, sind wiederum zwei Hauptarten zuunterscheiden. Es kann nämlich die objective Gleichwertigkeitder Loose, vom Standpunkte einer durchschnittlichen, normalenWirtschaft aus geschätzt, angestrebt werden; andererseits kannaber der subjective Standpunkt maassgebend sein, es kann dieZuteilung an alle Berechtigten der von ihrem persönlichenStandpunkte aus höchstwertigen Grundstücke zum Ziel werden.

Im ersteren Falle wird das sogenannte Schätzungsverfahrenangewandt. Es werden dabei keine Gewanne gebildet; manstrebt gar nicht dazu, alle Loose aus einer gleichen Zahl gleichgrosser und gleich guter Parzellen bestehen zu lassen. Mansucht nur die einzelnen Pai'zellen so zu Loosen zusammenzu-fassen, dass deren Gesammtheit für alle Loose den gleichen Werthdarstelle. Das wird entweder durch Compensirung der Unter-schiede der Qualität durch die der Quantität vom schlechterenLande giebt man etwas mehr als von dem guten oder dadurcherreicht, dass man besonders gute Stücke mit ganz schlechtenin ein Loos zusammenfasst. Es kommt auch vor, aber selten,dass man die Unterschiede in der Bodenqualität dadurch aus-zugleichen sucht, dass man von den besseren Grundstückeneine besondere Grundsteuer erhebt. Hat man nun auf die eineoder die andere Weise gleichwerthige Parzellencomplexe her-gestellt, so entscheidet, wie bei der Gewanntheilung, das Loos.

Dieses Theilungsverfahren ist im Schema ebenso nahe-liegend, wie die Methode der Gewannbildung. In seiner ein-