— 594 —
Nechtsvcrfahrcns in allen bürgerlichen Rechtssachen, nnd soweites mir immer möglich ist, auch die Einheit des materiellenCivilrechts anzustreben. Meine Herren! Es ist das nicht einBedürfniß des bürgerlichen Rcchtslebens der Ration, sondernes ist das auch cin'politischcs Bedürfniß, — es würde da-mit eine große politische That gethan sein, wenn in dieser Weisefortgeschritten würde, um die allerdings viel zu lockeren Bande,welche das Deutsche Volk zusammenhalten, in einem so wichtigenund wesentlichen Punkte zu verstärken. Es würde namentlichderjenigen Provinz, der speziell anzugehören ich die Ehre habe,damit eine besondere Wohlthat erwiesen werden. Es würdedann nämlich die Möglichkeit gegeben sein, eine große allum-fassende Deutsche Rechtswissenschaft zu Stande zu brin-gen, auf welche auch die Rheinische rechtsstudircnde Jugend sichkünftighin allein hingewiesen sähe. Denn es kann und darfnicht verkannt werden, daß ein ernster Ucbelstand darin liegt,wenn eine so einflußreiche Klasse, wie der Furistenstand derNheinprovinz, sich mit Nothwendigkeit daraus hingewiesen sieht,die allerdings imponirenden und glänzenden Leistungen der Fran-zösischen Rechtswiflenschaft nicht aus dem Auge zu verlieren, sichgewissermaßen mit denselben zu idcntifizircn.
Endlich, meine Herren, glaube ich, dürfen wir mit Ver-trauen erwarten, daß, wenn jene gemeinsame Gesetzgebung ernst-lich erstrebt wird, etwas Tüchtiges geleistet werden wird. Nachdem Maßstabe von Glück und Geschick, mit welchem die fastunmöglich erschienene Aufgabt, ein gemeinschaftliches Handels-recht ungeachtet der so vielfach divergirendcn materiellen Gesetz-gebungen der Einzel-Staaten gelöst worden ist, können wir,im Hinblick ans diese überwundene Schwierigkeit, das Weiterenicht für unüberwindlich erachten. Wenn dies nun aber wahrist, meine Herren, dann werden Sie wohl mit mir einverstandensein, daß man dem Antrage der Kommission, ohne Eingehen indie Detail-Berathung, das Handelsgesetz als Ganzes anzuneh-men, seine Zustimmung wohl geben kann, indem es für michals eine Thesis feststeht, daß die Einheit des Rechtes fürDeutschland ein wichtigeres Besitzthum, ein größeres Gut ist,als jede einseitige Verbesserung dessen, was uns vom gemeinsa-men Standpunkt ans geboten ist.
Präsident: Der Herr Justiz-Minister hat das Wort.
Justiz-Minister von Vernuth: Meine Herren! Wasmich veranlaßt, beim Beginn der Berathung das Wort mir zuerbitten, ist der Wunsch, einem Gefühl der Freude und desDankes Ausdruck zu geben. Dies Gefühl erklärt sich im Hin-blick darauf, daß erst im März d. F. die Berathungen in Nürn-berg beendet wurden, und daß es gleichwohl gelungen ist, heutein diesem hohen Hause, und, wie ich hoffen darf, in wenigenTagen auch in dem anderen Hause den Beschluß über die gc-