das Gewicht haben, die Verhandlungen über diesen Ge-setz - Entwurf mindestens auf ein ganzes Jahr hinaus-zuschieben und dadurch sein Schicksal so vielen Zufälligkeitenpreiszugeben, daß Keiner heute dieses Haus mit der Hoffnungverlassen kann, es werde sicher seine Annahme in ganz Deutsch-land finden. Der Herr l)r. Götze hat angeführt, es herrscheeine geWille Begeisterung für diese Annahme/ ich halte dieseBegeisterung für berechtigt, denn sie steht mit der Ehre Preu-ßens in innigster Verbindung. Von Preußen ist der Entwurfausgegangen/ er ist mit den Kommissaren der übrigen Deut-schen Staaten gewiß unter Vertretung derjenigen Prinzipienberathen worden, welche die Abgeordneten Unserer Negierungdort vorgeschlagen haben. Aber, meine Herren, ein Werk, wiedas vorliegende, kann nur durch verständiges und kluges Nach-geben in einzelnen Punkten zur einstimmigen Annahme geführtwerden, die zu seiner Verwirklichung nothwendig ist. Was inBezug auf unsere speziellen Verhältnisse Bedenken hervorruft,ist vielleicht für andere Staaten von solcher Wichtigkeit, daßdurch Abänderung solcher Bestimmungen von unserer Seitejenen Staate» die Annahme unmöglich gemacht wird. Soll-ten wir daher nicht ganz allein den Zweck ins Augefassen, auf diesem Gebiete, wie es zu Preußens Ehreauf anderen Gebieten bereits geschehen ist, die Einheit in Deutsch-land einen Schritt weiter zu führen? Wenn Preußen den Ent-wurf zuerst vorgelegt hat, dann ist es auch unsere Sache, allenübrigen Staaten Deutschlands wiederum in der Annahme desEntwurfs mit einem guten Beispiel voranzugehen. Der Ent-wurf liegt jetzt, so viel mir bekannt geworden, nur der Oester-reichischen und der Preußischen Landcsvcrtrctung vor. Es sinddas die beiden wichtigsten Staaten Deutschlands , und in diesemPunkte nehme ich für Preußen noch die hervorragendere Stel-lung in Anspruch, weil von ihm die Initiative ergriffen wordenist, eine Einigung in dieser Beziehung für Deutschland zu er-zielen. Wir müssen den übrigen Staaten mit dem Beispiel derAnnahme vorangehen. Wenn wir heute schwanken und durchBedenken, die auf die Verhältnisse in unserem Staate oder seinebisherige Gesetzgebung sich beziehen, uns abhalten lassen, mit freu-digem Vertrauen unser Ja zu geben, was wollen Sie dann von denübrigenStaatenDeutschlands erwarten,diein ihrenVerhältnissennochmehr Bedenken finden werden in Bezug auf einzelne Bestimmungendes Handelsgesetzbuches. Ich kann Sie daher nur auf das Dringendstebitten, von allen Bedenken abzustehen, und den Zweck ins Augezu fassen, einen Schritt weiter zu thun in den Bestrebungender Einigung Deutschlands . Damit werden Sie den BegriffDeutsche Nation einen wesentlichen Schritt weiter zur Wahr-heit und Verwirklichung führen. Politische Grenzen sind äußere,nicht strenge trennende/ der innere Kern aber nationaler Einig-keit, das innere Wesen der Einheit liegt in der Gleichheit des
Druckschrift
Verhandlungen ueber die Entwuerfe eines allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches und eines Einfuehrungs-Gesetzes zu demselben in beiden Haeusern des Landtages im Jahre 1861 : vollst. Abdr. d. stenograph. Berichte nebst Entwuerfen, Motive u. Komm.-Berichten zu denselben
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