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Jetzt entdeckt man in der Zeit des allgemeinen Freiheits-strebens, daß auch die Juden Menschen seien. Das Edikt vomii. März 1812, das die Juden zu preußischen Staatsbürgernmacht, gibt ihnen auch das Recht zu voller wirtschaftlicherFreiheit. Nun können sie sich in den Städten wie auf demplatten Lande niederlassen, können Grundstücke jeder Art er-werben und „alle erlaubte Gewerbe mit Beobachtung der all-gemeinen gesetzlichen Vorschriften treiben“. Erst durch diesesGesetz werden die Juden in das Wirtschaftsleben Preußens volleingereiht. Ihre Emanzipation fällt zusammen mit der wirt-schaftlichen Befreiung des Volkes. Dem preußischen Vorbildfolgen andere deutsche Länder. Die Staaten wollen sich derJuden bedienen, aber nirgends geben sie ihnen die vollen staats-bürgerlichen Rechte. So wird ihr Einwirken auf das deutscheWirtschaftsleben begleitet von den Kämpfen um die volleEmanzipation. Verantwortungsbewußten Anteil an der Ent-wicklung der deutschen Volkswirtschaft können die deutschenJuden erst nehmen, als sie wirklich deutsche Staatsbürger ge-worden sind.
Denn vorher stehen die Juden abseits vom Wirtschafts-leben. Beschränkt auf bestimmte Erwerbszweige, bilden sieeinen Staat im Staate. Denn sie sind zwar Einwohner der Städte,in denen sie leben, aber nicht deren Bürger. Im Mittelpunktihrer Tätigkeit steht das Geldgeschäft. Ursprünglich von jederTeilnahme am Handwerk und am Handel ausgeschlossen, dürfensie nur den Gewerben nachgehen, die sie für sich selbst ge-brauchen: des Schneiders, des Bäckers, des Fleischers, desGerbers und weniger anderer. Den Erwerb von Land machtman ihnen unmöglich, zum Ackerbau läßt man sie infolge-dessen nicht zu, und auch der Besitz von Häusern wird ihnenaufs äußerste erschwert. Der Händler des Ghetto muß alsoGeldvermittler oder Pfandleiher werden oder Handel mit denProdukten treiben, die abseits von den Geschäften der Kauf-mannsgilden liegen. Sombart weist mit Recht auf die Bedeutungder Juden in dem Handel mit Surrogaten hin, der sie dazuführt, zuerst mit Alt- oder Ersatzstoffen zu handeln. Immerwieder versuchen die Juden es, die Grenzen, die ihrer Tätig-