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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
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Der Inhalt des Ultimatums

Innerhalb von 25 Tagen von der Mitteilung des Ultimatumsan, also bis zum 31. Mai 1921, sollte Deutschland eine MilliardeGoldmark in Gold oder in deutschen Schatzwechseln mit dreimonat-licher Laufzeit, die mit der Bürgschaft anerkannter deutscher Bankenzu versehen waren, entrichten, und zwar in Anrechnung auf die erstenbeiden (am 15. Juli und 15. Oktober 1921 fälligen) Quartalsratender festen Annuität. Die regelmäßigen Quartalsraten der festenAnnuität beginnen demgemäß mit dem 15. Januar 1922 ; der Terminfür die Zahlung der ersten Quartalsrate der variablen Annuitätwurde auf den 15. November 1921 festgesetzt.

Die für den Dienst der Schuldverschreibungen verschriebenenEinnahmen sind in Gold oder in Golddevisen dem nach denVorschriften des Ultimatums von den Ententeregierungen einzusetzen-den und mit weitgehenden Vollmachten ausgestatteten Garantie-Komitee zu überweisen.

Deutschland hat außerdem auf Verlangen der alliierten Re-gierungen gewisse Sach- und Arbeitsleistungen zu bewirken.

Ein Überschuß der deutschen Zahlungen über den Bedarf fürden Dienst der jeweils ausgegebenen Schuldverschreibungen soll ver-wendet werden, um auf die jeweils noch nicht ausgegebenen Schuld-verschreibungen der Serie O einfache Zinsen von nicht mehr als 2,5 °/ojährlich für die Zeit vom 1. Mai 1921 bis 1. Mai 1926 und vonnicht mehr als 5°/° für die spätere Zeit zu zahlen.

Die in dem Ultimatum verlangte Kontribution unterschied sichvon der Kontribution der PariserPropositionen" darin, daß sienicht in Annuitäten, sondern in einem zu verzinsenden und zu tilgen-den Kapitalbetrag ausgedrückt wurde: an die Stelle von 42 Jahres-zahlungen im Gesamtbetrag von 226 Milliarden Goldmark trateine zu verzinsende und zu tilgende Kapitalsorderung in Höhevon 138 Milliarden Goldmark. Auf Grund einer 5prozentigen Ver-zinsung würden die 42 Jahresraten der PariserPropositionen" einKapital im Jetztwert von nicht ganz 90 Milliarden Goldmark dar-stellen, also beträchtlich weniger, als die 138 Milliarden Goldmark,die das Londoner Ultimatum verlangte. Allerdings sollten den festenAnnuitäten der PariserPropositionen" noch 12 Prozent des Wertesder deutschen Jahresausfuhr hinzutreten, wodurch sich der Kapital-wert der PariserPropositionen" erhöht, während die im LondonerUltimatum geforderte variable Annuität von 26 Prozent des jähr-lichen Ausfuhrwertes zur Verzinsung und Tilgung des festen Kapitalsvon 138 Milliarden Goldmark mit verwendet werden sollen.

Keinesfalls kann das Londoner Ultimatum als eine Milderungder PariserPropositionen" angesehen werden.

Die tatsächliche Jahresbelastung, die das Londoner Ultimatumdem deutschen Volke auferlegt, und ebenso die Zeitdauer, für diedas deutsche Volk an der Erfüllung des Ultimatums zu tragen habenwird, sind abhängig von der Gestaltung der deutschen Ausfuhr.