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gedeckt worden wäre. Gewiß ist die Produktion während des Kriegesnach jeder Möglichkeit angespannt nnd der Verbrauch der Bevölkerungin der Heimat ans das schärfste eingeschränkt worden. Trotzdemwaren die Anforderungen, die der Krieg selbst stellte, so ungeheuerlich,daß ihnen nur durch tiefe Eingriffe in die Substanz des Volks-vermögens genügt werden konnte. Durch mangelhafte Bewirt-schaftung und Raubbau ist der landwirtschaftlich genutzte Boden undseine Ertragsfähigkeit vermindert worden; das tote Inventar hat eine,wesentliche Verschlechterung erfahren, das lebende Inventar ist anZahl und Qualität erheblich zurückggegangen. In der Industrie istdie ganze maschinelle Einrichtung durch Umstellung auf die Kriegs-wirtschaft, durch überstarke Beanspruchung, durch mangelhafte Unter-haltung und Erneuerung in ihrem Werte stark verringert worden.Dasselbe gilt von den Bergwerken, von den Eisenbahnen, von Anlagenund Gebäuden aller Art. Darüber hinaus sind die in Friedenszeiten sehransehnlichen Warenbestände in Lagern und Fabriken, ja in jedem ein-zelnen Haushalt fast gänzlich aufgebraucht worden. Man wird nicht zuhoch greifen, wenn man die aus allen diesen Ursachen hervorgegangeneVerringerung unseres Volksvermögens auf mehr als ^/s der eigentlichenKriegskosten, also auf mindestens 50 Milliarden Goldmark schätzt.
Dazu kommt, daß unser Besitz an ausländischen Wertenund Kapitalanlagen, der sich bei Kriegsausbruch auf 20—2b Mil-liarden Goldmark belief, schon im Kriege stark angegriffen wordenist, um die dringend notwendigen Zufuhren aus dem Auslande zubezahlen. Schon während des Krieges haben serner die meisten derfeindlichen Staaten ihre Hand auf das innerhalb ihres Territoriumsbefindliche deutsche Eigentum gelegt. Dieses völkerrechtswidrigeVerfahren ist durch das Versailler Diktat sanktioniert und vollendetworden. Nach den Bestimmungen des Versailler Diktates sind dieStaaten, die mit uns im Kriege gelegen haben, berechtigt, die Liqui-dation des deutschen Eigentums bis zum Ende durchzuführen undsich die Erlöse in Anrechnung auf die deutschen Reparationsver-pflichtungen anzueignen. Von dieser Berechtigung haben weitausdie meisten dieser Staaten Gebrauch gemacht. Dadurch ist der weitausgrößte Teil der deutschen Kapitalanlagen im Ausland aus demdeutschen Volksvermögen ausgeschieden. Darüber hinaus hat sichDeutschland im Krieg und späterhin in erheblichem Maße an dasAusland verschuldet, um den wachsenden Passiv-Saldo seiner Handels-bilanz zu decken. Außerdem hat das Ausland von der günstigenGelegenheit, die ihm der Rückgang der deutschen Valuta bot, Gebrauchgemacht, um im großen Umfange inländische deutsche Vermögens-werte — Grundstücke, Häuser, Hypotheken, industrielle uud kommer-zielle Unternehmungen und Aktien von solchen — zu erwerben. DerVerlust an ausländischen Kapitalanlagen jeder Art, die Verschuldungan das Ausland und der Übergang inländischen Vermögens infremde Hände ist zusammen mit 30 Milliarden Gold mark eherzu niedrig als zu hoch veranschlagt.