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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
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Die IlutMvcrsuug unter das Ultimatum

Meinungsmachern unüberwindlich bleibt. Um wieviel hat denn dieEntente die Deutsche Republik besser behandelt, als sie die deutsche Monarchie hätte behandeln können? Um wieviel ist von draußenher sozialdemokratischen Reichskanzlern und Ministern des Auswärtigendas Regieren leichter gemacht worden als den bürgerlichen? Mankönnte es nach Lage der Dinge fast als eine Ehre betrachten, daßbisher ein Unterschied der Behandlung garnicht zu bemerken gewesenist. Wohl hat man uns gern angehört, wenn wir von den Opfernsprachen, die das deutsche Volk für eine ehrliche Völkerversöhnungzu bringen bereit ist. Aber wann immer wir genötigt waren, dieLebensinteressen des deutschen arbeitenden Volkes gegen mörderischeAnsprüche des Ententekapitalismus zu verteidigen, hat mau uus drüberbeschimpft, und immer waren es dann Gewalt oder Gewaltandrohung,die das letzte Wort sprachen. Darnm sei den lockenden Stimmendrüben gesagt, daß die deutsche Sozialdemokratie uicht gesonnen ist,

dieses Spiel mitzuspielen......Kurz und gut: fragt man uns,

ob wir unserem eigenen Volk helfen, den wahren Frieden herstellen,ein ehrliches auf Gleichberechtigung und gegenseitiger Achtung beruhen-des Verhältnis zwischen den Völkern herstellen wollen, dann antwortenwir Ja und tausendmal Ja! Aber auf die Frage, ob wir uns zumAnwalt nnd Vollzieher unausführbarer, vernichtend wirkender, jedenwahren Frieden zerstörender Forderungen machen wollen, gibt es alsAntwort nur ein entschiedenes, eindeutiges Nein!"

Am folgenden Tag veröffentlicht der sozialdemokratische Reichs-tagspräsident Löbe in derBreslauer Volksmacht" einen Artikel,in dem es hieß:

Auch die Sozialdemokraten sind wie alle bürgerlichen Parteien vonder Unmöglichkeit der Erfüllung der geforderten Leistungen überzeugt.Auch sie können die Verantwortung für ein Dokument, das Kinderund Kindeskinder in Schuldknechtschaft hält, nur gemeinsam mitallen anderen Volksgenossen übernehmen. Alle Parteien, nicht nurwir, müssen vor die Frage gestellt werden, ob sie die Auslieferungdeutschen Gebiets an die Feinde oder den Versuch der Bezahlunghorrender Geldsummen für den richtigen Ausweg aus unserer ver-zweifelten Lage halten.....Regierung und Sozialdemokratie können

den Riesenschuldschein nur dann unterschreiben, wenn auch die Deutsch-nationalen erklären, daß es keinen anderen Ausweg gibt.....

Die auswärtige Lage unseres Landes ist so verzweifelt, daß hier dieoft mißbräuchlich verlangteEinheitsfront" in Wirksamkeit tretenmuß gemeinsam müssen wir den Druck der Feinde tragen, wennder letzte Versuch scheitert, gemeinsam müssen wir die Verpflichtungenerfüllen, wenn sie uns vor dem Äußersten bewahren sollten, gemeinsammuß auch die Verantwortung für beides getragen werden I"

Der sozialdemokratische Reichstagspräsident hat also damalszwei Wochen vor der Entscheidung über das Ultimatum dieErfüllung der Ententeforderungen für unmöglich erklärt; er hat dieZustimmung seiner Partei zu der Unterwerfung unter das Ultimatum