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Vorbctrachtuug,
erleben es auch in der That, daß der falsche Gesichts-punkt der Mißgunst, welcher die wachsende Prosperitatder Mehrbesitzeudeu anklagt, ohne die verhältnißmäßigegleichzeitig vorschreitende Durchschnitts - Verbesserung derübrigen Schichten mit in Anschlag zu bringen, zweckwid-rigen Folgen dient, nämlich die Gesammtentwicklung allerVolksschichten beeinträchtigt. Nichts ist leichter, als Miß-gunst uud Unzufriedenheit zn erregen, dem Minder-begüustigteu die mäßige Verbesserung seiues Geschicks zuverleiden dadurch, daß man ihn zu einer Vergleichungmit dem Mehrbegünstigteu aufstachelt. Es entstehendadurch jene Conflicte unter den verschiedenen am GewerbS-leben bethätigten Classen, welche die gemeinsame Arbeitunterbrechen, entmuthigen und zurückhalten. Der Schaden,der damit an den hervorragenden Stellen gestiftet wird,fällt auch hierbei wieder mehr in die Augen als der unterviele vertheilte Verlust. Der einzelne Unternehmer wirdnumittelbar in seinem Vermögen härter getroffen, aber derunbemittelte Arbeiter verliert auf die Länge ebeuso viel, undam meisten verliert er dadurch, daß der Aufschwung, derohne die Störung des Friedens in den gewerblichen Kreiseneingetreten wäre, im Keim erstickt wird. Das berühmteBastiat'sche Capitel: „Was man sieht und was man nichtsieht," spielt auch hier die entscheidende Rolle. Aber dieWelt richtet sich nun einmal am liebsten nach dem wassie sieht, und zwar nach dem was sie leicht sieht. Ausdieser Bewandtniß erklärt sich zum Theil die Schüchtern-heit, mit welcher die Kritik den sozialistischen Phantaste-reien dermalen entgegentritt. Das Geschrei gegen denzunehmenden Reichthum und Lebensgenuß an den augen-fälligsten Stellen ist so Modesache geworden, daß diewenigsten, welche ihre Meinung vor der Oeffentlichkeit