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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Vorbctrachtmig.

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und fruchtbare Kreislauf des Capitals haben neue Reich-thümer in Massen erzeugt. Es ist eine ganz unhaltbareAnnahme, daß diese Zunahme des Gesammtvermögcnsnur den wenigen Bevorzugten zu statten komme, an wel-chen die Zunahme am meisten in die Augen fällt. Natür-lich muß bei einer namhaften Verbesserung der allgemeinenLage der Besitz des Industrie- oder Finanzunternehmersin stärkerein Maße wachsen, als der Besitz des mindermächtig eingreifenden Mitarbeiters an der allgemeinenProduction. Noch so großer Gewinn auf eine Menge vonKöpfen vertheilt, wird immer nur geringe Bruchthellegeben, verglichen zu dem Vortheil, welchen der Schöpferoder Erhalter eines bestimmten Unternehmens aus dem-selben zieht. Daß ein Mann, dessen Intelligenz oderdessen Capital ihn an die Spitze einer Erwerbsthätigkeitgestellt haben, von dem gedeihlichen Gang desselben größe-ren Nutzen zieht, als jeder für dieselbe weniger wichtigeeinzelne Mitarbeiter, das ist eine Naturnothwendigkeit,die nur für diejeuigeu abänderbar ist, welche sich einCulturlebcn ohne Eigenthum vorstellen können. Den An-trieb zur Anstrengung seiner Kräfte bemißt ein jeder nachdem Lohn, der in Aussicht steht, und den Lohn wiederumim Verhältniß zu dem, was er bereits besitzt. Wer vielbesitzt oder viel vermag, wird wenig oder nichts daransetzen, wenn er seine Lage nur uni das verbessern kann,was dem Unbemittelten schon einer ^Anstrengung wertherscheint. Die Verschiedenheit der Gewinnste abschaffen,heißt also nichts anderes, als das Eigenthum abschaffen.Wer nicht so weit gehen will, muß sich mit dem Gedankenaussöhnen, daß niemals das Loos der arbeitenden Classendurchgehends sich heben kann, ohne daß gleichzeitig dieVermögenden in stärkerem Verhältniß wachsen. Und wir