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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Povbclrachlmig,

Formen des Staates, der Gesellschaft und der Bildungvon anderen Daseiusformeii verdräugt werden, welcheunserer Vorstellung so weuig zugänglich sind, wie die Por-stellung einer außerweltlichen Existenz, so lange wird derim Staate herrschende Geist nicht unter das Niveau derden Mittelclasseu entsprechenden Anschauung herabsinkeukönnen, Ihre Fähigkeiten sind unentbehrlich zur Leitungdes Ganzen. Alle sozialdemokratischen Wahlen haben nurAbgeordnete geliefert, die mit ihrer Existenzweise undman darf kühn behaupten mit ihren Existenzbedürf-nissen dem behäbigen Bürgcrstand angehören; selbst diewenigen, welche sich mit dem Namen einesArbeiters"schmücken, machen davon keine Ausnahme. Man brauchtsie nur anzusehen, um zu wissen, daß auch sieBourgeois"sind, und ihrer Behäbigkeit unbeschadet nur darum Feuerund Schwert predigen, weil sie nicht an den Erfolg ihrerPredigten glauben. Wie unfähig, der heutigen so feinorganisirteu Culturwelt gegenüber, eine proletarischeStaatskunst ist, konnte man während der Commune er-proben. Trotzdem daß ihr das geistreiche und gebildeteZigeunerthum der französischen Hauptstadt zu Gebote stand,hat sie es nicht zu eiucm einzigen staatlichen Gedankengebracht.

Aber wenn unserer bürgerlichen Gesellschaft die An-tastung der Eigenthums- oder Erwerbsgrundsätze sowohlder Vorstellung als der Ausführung nach unabsehbarfern liegt, so ist ihr doch der Muth der verständigenKritik gegen ausschweifende Zumuthungen binnen kurzerZeit in erstaunlichein Maße gesunken. Daran hat dieveränderte Basis des Wahlrechts ihren guten Antheil.Andere Einflüsse treten hinzu. Der gewaltige Aufschwungder Gewerbe und der davon unzertrennliche beschleunigte