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häufig nur unfähige und unstudirte Schreiber sich bereitfanden, Richterstellen anzunehmen. Noch heute ist es vielfachSitte in Frankreich , daß die jungen Reichen sich der Ma-gistratur widmen, um ihre Lebensstellung mit dem Luxuseiner Würde zu verzieren, und ein Fremder ist manchmalerstaunt, wenn man ihm einen nach der neuesten Modegekleideten und frisirten Stutzer als Nichter am Tribunalvon Paris vorstellt. Mit dem Vordringen der Mittel-classen ist jedoch die richterliche Laufbahn mehr und mehrein Erwerbszweig geworden, und eben dessen vernachläs-sigte Ausstattung brachte jenen Mißklang hervor. (Nochheute bezieht ein Kreisrichter unterster Klasse nicht mehrals 2200 Franken, für französische Verhältnisse ein Spott-gehalt.) Jedoch verlor sich im Laufe der Jahre dieseschmollende Richtung gegen die Prosperität der Geschäfts-welt wieder. Der Reichthum der Mittelclassen und dergroßartige Geschäftsgang waren doch in Frankreich zu alt,um auf die Länge den Gebildeten als etwas Anstößigesnnd Verdächtiges zu erscheiuen, wie dieß bei uns inDeutschland uoch bei der Neuheit des Aufschwungs derFall ist; die rasche Zunahme der Vermögen wird bei uuswie etwas angesehen, das nicht mit rechten Dingen zu-gehen kann. Während niemand bezweifelt, daß z. B. dieTausende von Schienenmeilen mit ihren: ungeheuern Ma-terial emen reinen Ueberschnß über das frühere Inventardes Nationalvermögens bilden (da alles, was früher be-stand, geblieben ist und noch viel mehr dazu kam), findetnichts leichter Eingang in die Köpfe/ als die Ansicht, daßder wachsende Reichthum der einzelnen Individuen oderGesellschaften auf Kosten ihrer Mitbürger durch bloßeTaschenwanderung sich vollziehe. Die alte physiokratischeIdee, daß es nur eine einzige fruchtbare Function in der