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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Vorbctrachttmg.

wissenschaftlicher Auslegung erfuhren. Man braucht unsuur in einer gewissen Weise zu packen, um uus zu haben.Dieß ist für deu Augenblick den Erfindern der sozialenErlösungsrecepte auch gelungen. Mit tiefer Kenntniß unse-res Wesens wendeten sie sich an die speculative Seite derNation, und es ward ihnen aufgethan. Wer weiß, wennHegel das alles erlebt hätte, ob er nicht für die Staats-industrie oder den Classenkrieg auch eineu Platz in deinProceß des Absoluten gefunden hätte!

Vielleicht stehen wir eben auf dem Höhepuukt derKrisis, da das soziale Tischrücken sich zu so imponirenderGestalt aufgeblasen hat, daß es anfängt, der deutscheuWissenschaft auch das Concept zu verrücken. Nur so läßtes sich erklären, daß eine Anzahl ernster Gelehrten zueiner Schule von wisseuschastlicheu Reformern sich ausge-bildet hat, welche an die Möglichkeit zu glauben scheint,von Sraatswegen im Princip etwas wie dieLösung dersozialen Frage" auf dem Verordnungsweg zu unternehmen.

Es sei erlaubt, diese Schule der Kürze halber mitdem Namen zu bezeichnen, unter welchem eiu Kritiker(H. V. Oppenheim, in der Berliner Nationalzeitung) siezuerst der Welt vorgestellt hat, unter welchem sie auchseitdem kenntlich geworden ist, und den sie schließlich, inErmangelung eines besseren, sich selbst gefallen läßt.Katheder-Sozialisten nennt man hente in Deutschland die-jenigen Lehrer uud Verbreiter der Volkswirthschaft, welchezwar nicht mit den eigentlichen Sozialdemokraten unterFührung der bekannten Sectenhäuptlinge zusammengehen,aber mit diesen doch in der Hauptsache übereiustimmen,daß sie einesoziale Frage" in deren Sinn als zu Rechtbestehend anerkennen. Eine soziale Frage iu diesem vollenSinn existirt nämlich vernünftiger Weise nur für den,