Borbctrachtung,
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welcher auch eine soziale Antwort kennt. Die sozialeFrage, so gefaßt, ist gleichbedeutend mit der Antwort:daß es systematisch möglich sei, alles wirthschaftliche Elend,die Armuth im eigentlicheu Sinn, aus der Welt zu schaf-fen; daß bisher die Welt nur mangels der Entdeckungdieses richtigen Systems so schlecht bestellt gewesen — unddaß der betreffende Verkünder der sozialen Frage mit derErkenntniß der Antwort, d. h. des erlösenden Systems,thatsächlich versehen sei. Wer in positiver Wissenschaftund Gesetzgebung eine soziale Frage anders legitimirenwill, ist auf dem Abwege. Er könnte ebenso die Unsterb-lichkeitsfrage oder die Mondfrage in das Programm der-selben aufnehmen, als die Aufgabe, die doch sehr auer-kcnneuswerthen Wünsche nach ewiger Fortdauer oder nachMondfahrten zu befriedigen.
Wenden wir uns nun an die Nationalökonomiealten Styls, so wird sie uns eben deßhalb von einersozialen Frage nicht unterhalten. Sie behält sich vor,ein Arcanum erst zu suchen, wenn sie weiß, daß einesexistirt. Sie verwirft ein Besserungsmittel nie, weiles ihr nicht zu ihren Principien paßt, sondern bloßweil es ihr keines zu sein scheint. Principien, die sichder Annahme praktisch ausführbarer, wirklicher Verbesse-rungen widersetzen, gibt es in ihr nicht. Denn sie istso viel und mehr als jede andere Wissenschaft heutausschließlich eine auf Erfahrung und thatsächliche Be-obachtung gegründete Summe von Erkenntnissen. Woaber die concreten Beobachtungen nicht ausreichen, istsie, soweit ein praktisches Bedürfniß zu concretem Ver-halten auffordert, wie jede Wissenschaft genöthigt, mitlogischen Schlüssen vom Bekannten zum Unbekanntenfortzuschreiten. Diese Verbindung von Erfahrung und