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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Borbetrachttmg.

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schätzenswert!^ Beiträge zur Verbesserung des Arbeiter-looses, aber wahrlich viel zu bescheidener Natur, um mitvollen Backeu die Lösung der sozialen Frage verheißen zuwollen.

In der That, solange nicht der Lohn als solchermit Entschlossenheit angepackt wird, kann von neuen Prin-cipien nicht die Rede sein, uud auch dann nur, wennder Lohn nicht länger Privataugelegenheit bleiben, sondernvon Staatswegen geregelt werden soll. Denn welcher auchnoch so verhärtete Manchestermann bestreitet dem Arbeiterdas Recht, auf dem Weg der Vereiubarung einzeln oderin Massen durchzusetzen, daß er uicht Accord, sondern Tag-lohn erhalte; daß der Normal-Arbeitstag festgesetzt werde,kraft dessen der Faule wie der Fleißige, der Geschicktewie der Ungeschickte, gleichen Betrag über den Erdkreishin empfienge? Oder daß die Arbeiter den Fabrikantenzu zwingen versuchen, ihnen einen verhältnißmäßigen An-theil am Gewinn zu geben? Das alles möge unternommenwerden, wenn Arbeitgeber und Arbeiter sich darüber ver-ständigen können. Ob es der Industrie möglich seinwird, dabei zu bestehen, ist eine andere Frage, welcheden Versuch uicht aufzuhalten vermöchte. Eine sozialistischeWendung nimmt die ganze Erörterung erst, wenn dieseRegelungen von oben befohlen werden sollen. Findet derGedanke Eingang, daß die Arbeiter selbst in freier Ver-einigung zu schwach seien, um demCapital" Trotz zubieten, daß der Staat ihnen seinen starken Arm leihenmüsse, um die Frechheit und Schlechtigkeit des Capitalszu brechen, dann allerdings treten wir auf das sozialistischeGebiet über; und da es zwischen diesen beiden Alter-nativen nichts drittes gibt, so ist klar, daß auch die ge-lehrtesten Umschreibungen nicht vor der vollen sozialistischen